Home Bücher & Sprache 24. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Da sie schneller als gedacht mit ihrem Termin auf dem Revier fertig waren, beschlossen Conrad, Stefan und Lina ganz frech, Linas freie Zeit auszunutzen und noch einen Kaffee trinken zu gehen. Wenn sie erst um zwanzig Uhr zurückerwartet wurde, wollte sie auch erst um zwanzig Uhr zurück sein. Der Abend würde ohnehin lang genug werden.

„Meint ihr, Tante Helene hatte den Verdächtigen tatsächlich erkannt? Schließlich hat sie ja jedem auf diesem Schiff gedroht, dass sie niemals ein Gesicht vergesse“, fragte Lina, die Conrads Antwort bereits erahnte:
„Nein. Ich denke, das war ihr Standardspruch, mit dem sie seit Jahr und Tag ihre Mitmenschen das Fürchten lehren wollte. Aber das konnte der vermeintliche Täter schlecht wissen.“
„Denke ich auch“, mischte sich Stefan ein, „doch der Täter hat es für bare Münze genommen und Panik bekommen, dass sie ihn auffliegen lassen und sein neues Leben zerstören könnte.“
„Womit bewiesen wäre, dass Menschen ihre grundlegenden Charakterzüge niemals ändern können“, fasste Lina traurig zusammen.

Eine peinliche Stille trat ein, erinnerte dieses Fazit doch zu stark an das Thema, das sie besprochen hatten, kurz bevor der Schrei ertönte. Selbst Stefan Bruch schien sich trotz seines Alkoholpegels daran zu erinnern und so ergriff er etwas kleinlaut das Wort – das zweite Mal innerhalb von drei Tagen, dass ihn Lina so erlebte. Vielleicht doch eine Trendwende?

„Ich möchte mich übrigens entschuldigen, dass ich am Samstag so blau war. Tut mir wirklich leid!“
„Kein Thema, ist schon vergessen.“
„Nein, das ist mir wirklich sehr unangenehm!“
„Keine Sorge, Schwamm drüber!“
Lina vermied es, ihn direkt anzureden, wusste sie doch nicht, ob er sich an die Sache mit dem „du“ noch erinnern konnte. Conrad nahm ihr die Antwort ab:
„Ein Gutes hatte die Sache ja: Ihr seid jetzt endlich per Du, was mir das Leben deutlich erleichtert.“

Damit war die Sache beschlossen, ohne dass Stefan oder Lina hätten protestieren können. Wenn sie denn gewollt hätten. Doch konnten beide Seiten gut mit der Neuerung leben.
„Eigentlich bist du ja ganz ok, Pickelchen!“, erlaubte sich Stefan Bruch einen kleinen Witz.
„Du ja eigentlich auch, Arschi!“, konterte Lina Stark.
Und Conrad Krug lehnte sich zufrieden zurück und bestellte eine zweite Runde Cappuccino.

***

Das war sie, meine zweite Kurzgeschichte von und mit Lina Stark. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und das Warten aufs Christkind etwas verkürzt. Wenn ihr noch mehr über Lina, Conrad und Stefan erfahren und drei weitere Morde aufklären wollt, solltet ihr unbedingt ihre ersten drei Fälle lesen: