21. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Nachdem Conrad und Lina Stefan Bruch nach Hause gebracht hatten, kehrten sie noch kurz bei Lina ein, in deren Wohnung sich bereits einige Umzugskartons an der Wand stapelten.
„Du bist aber schon fortgeschritten in deinen Vorbereitungen.“
„Leider gar nicht. In den Kartons sind nur Sachen, die ich in den nächsten Wochen und Monaten nicht brauche.“
„Wann geht es denn los?“
„Am 1. April kann ich die Schlüssel haben.“
„So bald schon! Soll ich umziehen helfen.“
„Ich muss erst einmal noch etwas renovieren. Saniert haben die Vorbesitzer das Haus vor fünf Jahren, aber ich will trotzdem noch ein paar Sachen ändern. Quasi wieder den Originalzustand herstellen.“
„Aber ohne die Achtziger-Jahre-Einbauküche.“
Lina lachte: „Aber ganz sicher!“

Dann kamen sie wieder auf den Abend und den Mord zu sprechen und Lina stellte endlich die Frage, die ihr schon seit Stunden durch den Kopf geisterte:
„Sag mal, wie hattet ihr das eigentlich gemeint vorhin, mit dem früheren Leben der Tante als Gefängnisausseherin? War das nur ein blöder Spruch oder ist da etwas dran?“
„Irgendein Verwandter hatte das fallen lassen, als du auf dem Klo warst. Sie muss wohl früher im Jugendvollzug gearbeitet haben. Ob als Aufseherin, weiß ich nicht. Aber das haben wir natürlich gerne so hingedreht, dass es zu unserem Vergnügen gereichte.“
„Und unseren mutmaßlichen Täter hat sie wissen lassen, dass sie ‚niemals ein Gesicht vergesse‘“, wobei Lina einen Fingen gen Himmel reckte.
„Kann es vielleicht sein, dass er das für bare Münze genommen hat? Vielleicht hatte er früher etwas ausgefressen und wollte nicht, dass das jemand herausfindet. Sicher kann ich mich da täuschen, aber eine kurze Ermittlung in diese Richtung wäre es sicherlich wert.“
„Wenn da etwas ist, werden es die Heidelberger Kollegen sicherlich entdecken.“
„Werden Jugendstrafakten nicht nach einer gewissen Zeit gelöscht?“
„Nicht bei Verbrechen, die es wert sind, dass man einen Mord begeht, damit niemand davon erfährt.“
„Na gut, dann warten wir am besten ab.“

Und mit dieser Einsicht wandten sie sich wieder netteren Themen zu, etwa dem alten, knarrenden Dielenboden in Linas neuem, alten Haus, den es galt, wieder unter dem neumodischen Klicklaminat hervorzuzaubern. Oder dem Bollerofen ihrer Urgroßmutter, der wie durch ein Wunder all die Jahre in der hintersten Kellerecke überlebt hatte. Sie beschrieb Conrad den neuen Grundriss, den das Haus nach dem Umbau der Vorbesitzer beziehungsweise Nachfolger bekommen hatte und erklärte ihm, wie sie das Haus ihres Vaters neu einrichten wollte. Conrad bemerkte, wie sie beim Erzählen regelrecht aufblühte und freute sich mit ihr, dass sie nun wieder in Besitz nehmen konnte, was schon immer ihr gegolten hatte. Und ein bisschen hoffte er auch für sich, den Geist der guten alten Tage aufleben lassen zu können.

Morgen geht es weiter >>>

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