19. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Der erste Teil der Arbeit war getan. Jetzt konnten Conrad und Lina nicht mehr viel tun, als abzuwarten und weiter nachzudenken. Während Stefan auf dem Platz neben Lina eingeschlafen war und nun selig an ihren Oberarm gelehnt ihre Strickjacke vollspeichelte, sahen sie zu, wie jedem Gast Fingerabdrücke abgenommen wurden. Die Spurensicherung hatte unzählige Abdrücke auf dem Handy gefunden, das Lina aus einem kleinen Spalt zwischen einem Regal und der Wand in dem Flur vor den Toiletten gezogen hatte. Glücklicherweise waren es viele Abdrücke derselben Person, so dass ihre Suche schnell ein Ende haben würde. Trotzdem wusste Lina noch immer nicht, wem das Smartphone gehörte und warum jemand Tante Helene auf solch eine kaltblütige Art und Weise umbringen würde.

Die Suche nach den passenden Fingerabdrücken war weiterhin in vollem Gange, als sich ein Beamter der Spurensicherung zu ihnen gesellte und die Vermutung Linas bestätigte:
„Sie hatten Recht: Wir haben eine Datei gefunden, die einen einzelnen Schrei enthält. In sehr geringer Lautstärke spielte er die Tondatei ab, deren Inhalt Lina und Conrad als den Schrei identifizierten, den gehört hatten, als sie an der Altstadt entlang schipperten.“
„Aber woher wusstest du das?“, wollte Conrad wissen.

„Wir hatten exakt den gleichen Schrei heute schon einmal gehört, nicht nur einen ähnlichen Schrei, sondern den exakt gleichen – und zwar, als dieser Halbstarke dem Opfer sein Glas überleerte. Der Schrei kam mir gleich komisch vor, als ich ihn hörte, doch ich wusste nicht, wie ich einordnen sollte. Solange, bis Tante Agathe sagte, dass wir ‚doch vorhin alle ihren Schrei gehört‘ haben. Da fing es bei mir an zu rattern im Hirnkasten.“

„Nicht schlecht“, kommentierte der Beamte von der Spurensicherung und fuhr dann mit seinen Ausführungen fort:
„Das Handy war so programmiert worden, dass die Datei um exakt 21.47 Uhr abgespielt wurde.“
„Kurzum: Der Mord ist schon viel früher geschehen.“
„Das würde ich meinen. Doch der Gerichtsmediziner ist noch bei der Leiche, er wird Ihnen gleich mehr sagen können.“
Conrad erhob sich und dankte dem Kollegen mit einem Handschlag.

Morgen geht es weiter >>>

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