16. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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„Diese komische Tante ist tot, sie liegt in einem kleinen Büroraum am Heck des Schiffes. Hast du die andere Seite überprüft?“
„Ja, kein Durchkommen. Da vorne gibt es keinen Ausgang, noch nicht einmal ein Fenster.“
„Gut, das erleichtert uns die Sache ungemein. Lasst auf gar keinen Fall jemanden aus dem Saal! Ich befrage kurz die Leute da unten, was sie gemacht haben. Sie sind die einzigen, die etwas mit der Sache zu tun haben können. Stefan, du hältst hier die Stellung! Lina, ich wäre dir dankbar, wenn du mit einem Ohr zuhören könntest. Vielleicht fällt dir etwas auf.“

Und so geschah es. Neben fünf Angestellten, die gerade in der Kombüse gearbeitet oder Pause gemacht hatten, befanden sich nur sieben Gäste unter Deck. Drei Frauen und vier Männer. Conrad zog sich mit jedem Gast einzeln in Richtung des Ausgangs zurück, an dem Lina stand und mit einem Ohr in Richtung Conrad, mit dem anderen in Richtung Tanzfläche hörte. Sie waren sich einig, dass zwar die Personalien der Angestellten aufgenommen werden müssten – diese in dem Fall jedoch wahrscheinlich eine eher zu vernachlässigende Rolle spielten.

Die vier Männer gaben sich gegenseitig Alibis, da sie die vergangene halbe Stunde damit verbracht hatten, vom Büffet zu naschen und über Fußball zu diskutieren. Es war ein Streitgespräch gewesen zwischen zwei Hoffenheim-Fans und zwei Kaiserslautern-Fans, das vornehmlich dadurch bestimmt war, dass die Lauterer den Hoffenheimern ihren Mäzen missgönnten. Lina erschienen die Aussagen der vier Männer sehr glaubhaft, zumal sie annahm, dass sie sich nur widerwillig gegenseitig ihre Alibis gaben. Zudem wurden ihre Aussagen von den Schilderungen der drei Damen unterstützt. Diese hatten die Männer gesehen, als sie gemeinsam zur Toilette gingen – eine Unsitte, der Lina noch nie hatte etwas abgewinnen können. Dort hatten sie noch an den Waschbecken getratscht, bis Conrad sie herausgeholt hatte. Und während dieser Zeit hatten sie immer die dumpfen Stimmen des Streitgesprächs gehört. Lina wusste von ihrem eigenen Ausflug auf die Örtlichkeit, dass es dort nur einen Weg heraus gab: über einen kleinen Gang hinein in den Saal, in dem das Büffet aufgebaut war. Und auch die Männer bestätigten, dass die Damen nur in Richtung WC verschwunden, nicht jedoch in den anderen Gang gegangen waren.
Entweder lügen alle sieben oder die haben nichts damit zu tun, fasste Lina das Gehörte für sich zusammen. Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass Letzteres der Fall war und sie konzentrierte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den großen Saal.

In diesem hatten sich Onkel Hugo und Tante Agathe im Laufe der vergangenen Minuten sukzessive in Richtung Ausgang geschoben. Dabei hatte Lina immer wieder Gesprächsfetzen aufgeschnappt, die darauf schließen ließen, dass Tante Agathe den Grund des Aufruhrs erraten hatte:
„Natürlich war das Helene …“
„… du wagst, an meinen Instinkten zu zweifeln …“
„… ich kenne doch ihre Stimme …“
„… wir haben doch vorhin alle ihren Schrei gehört …“
„… nun stell dich doch nicht dümmer, als du ohnehin bist …“

Morgen geht es weiter >>>

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