13. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Trotz des torfigen Whiskey-Aromas konnte Lina den Duft seiner Haut ausmachen. Da war kein Parfum und kein Aftershave, nur blanker Stefan-Duft und für einen kurzen Moment schloss sie die Augen. In der nächsten Sekunde wurde sie sich bewusst, dass sie selbst am Morgen vergessen hatte, Parfüm aufzutragen und verfluchte sich innerlich.

„Hm, du riechst aber fein! Was ist denn das für ein Parfüm?“, fragte Stefan und schien ehrlich interessiert.
„Ähm“, stammelte Lina, „gar keins. Habe ich heute früh vergessen.“
Wieder ertönte ein ausgiebiges „Hm“, das Stefan sodann ergänzte:
„Das bedeutet dann wohl, dass ich dich gut riechen kann.“
Lina antwortete nichts, war jedoch sehr froh, dass Stefan in seinem Suff den obligatorischen Freundschaftskuss vergessen hatte.

„Also, Lina, jetzt wo wir die Formalitäten geklärt haben, musst du mir eine Frage beantworten: Wieso heiraten die Milchsemmeln unserer Spezies eigentlich so viel früher als die gestandenen Kerle.“
„Mit ‚gestandene Kerle‘ meinst du dich?“
„Selbstredend!“
„Nun, vielleicht liegt es daran, dass die ‚Milchsemmeln‘ sehr viel verlässlicher sind als die ‚gestandenen Kerle‘.“
„Wie meinst du das?“
„Naja, Frauen wollen einen lieben, zuverlässigen Mann, wenn sie ein Familie gründen wollen. Und keinen ‚gestandenen Kerl‘ der auf seine Freiheit pocht und nur seinen Spaß haben will.“
„Aber ich bin doch auch zuverlässig und lieb!“
Jetzt wusste Lina eindeutig, dass ihr neuer Duzfreund Stefan Bruch dicht wie eine Strandhaubitze war. Sie blickte ihn eindringlich an und zog eine Augenbraue hoch.
„Na, ok, ich bin es vielleicht nicht immer. Aber ich kann lieb sein, wenn ich will.“
Er dachte kurz nach, dann schob er eine Frage nach.

„Nehmen wir dich als Beispiel: Würdest du etwa keine Familie gründen wollen, mit einem strammen Kerl wie mir?“
„Du willst doch gar keine Familie“, versuchte sich Lina aus der Antwort heraus zu mogeln.
„Aber ich könnte wollen. Und was wäre, wenn ich wöllte?“
Seine sonst so hochdeutsche, vorbildliche Grammatik schien irgendwo zwischen Neckarsteinnach und Neckargemünd über Bord gegangen zu sein. Doch er sah sie mit großen Augen an und wollte offenbar wirklich eine Antwort haben.
„Im Ernst?“
„Logo!“
„Ganz ehrlich?“
„Am allerehrlichsten!“

Morgen geht es weiter >>>

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