11. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Es war Tante Helene, die schrie. Einer ihrer halbstarken Großneffen war gestolpert und hatte ihr sein halbvolles Cocktailglas übergeleert – inklusive Eiswürfel, Schirmchen und Maraschino-Kirsche. Ob versehentlich oder absichtlich, blieb sein Geheimnis. Doch meinte Lina, ein freches Grinsen zu sehen, als er sich nach einer halbherzigen Entschuldigung mit hochrotem Kopf zu seinen Cousins und Cousinen umdrehte. Tante Helenes Lieblingsspruch ertönte:
„Ich vergesse niemals ein Gesicht, mein Lieber! Niemals!“

Doch dieses Mal machten sich die Gäste nicht die Mühe, ihr Kichern zu verbergen und lachten lauthals heraus. Auch Lina musste herzhaft lachen, war es doch eine allzu blöde Drohung gegenüber einem bekannten Verwandten, dass man sich sein Aussehen merken würde. Niemand machte sich die Mühe, Tante Helene zur Toilette zu begleiten und sie „trockenzulegen“, so dass diese wutschnaubend den Saal verließ.

Lina sah ihr kopfschüttelnd und lachend nach und als sie sich umdrehte, hatte Stefan Bruch wieder seinen Platz am Kopfende des Tisches eingenommen. Vor sich hatte er ein Tablett mit drei Gläsern abgestellt, von dem sich Lina wunderte, dass es den Weg bis zum Tisch unbeschadet überstanden hatte. Bruch stellte ein Bier vor seinem Kollegen ab und reichte Lina einen Sekt. Er selbst war mittlerweile auf Whiskey umgestiegen – seinem Zustand nach zu urteilen, war dies jedoch nicht sein erstes Glas.

Während alle anderen Gäste um sie herum lachten, tanzten, tranken und aßen, hatte sich Stefan Bruch fest vorgenommen, eine Grundsatzdiskussion mit Lina zu führen. Das konnte ja spaßig werden.

Morgen geht es weiter >>>

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