6. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Am Vormittag hatten sich Florian Kaiser und seine Anna im engsten Familienkreis das Ja-Wort gegeben und danach mit ihren Eltern, Geschwistern und Trauzeugen zu Mittag gegessen. Pünktlich um vierzehn Uhr waren sie nun auf dem Neckarschiff eingetroffen, auf dem sie zusammen mit allen Freunden, Arbeitskollegen und Verwandten feiern wollten. Es sollte ein rauschendes Fest werden und Lina hatte keinerlei Zweifel, dass die beiden verliebten Turteltauben alles dafür getan hatten, dass sich ihre Gäste wohlfühlen. Umso mehr ärgerten sie die abschätzigen Blicke der beiden Tanzkurs-Bräute.
Während Lina Florian schon seit einigen Jahren flüchtig kannte, begegnete sie seiner Braut heute zum ersten Mal. Conrad war inklusive einer Begleitung eingeladen worden und in Ermangelung einer Lebensgefährtin hatte er kurzerhand seine beste Freundin mitgebracht und war froh, dass er nicht wieder allein irgendwo erscheinen musste. Einzig Stefan Bruch guckte nun etwas dümmlich aus der Wäsche, denn er war es nicht gewohnt, ohne weibliche Begleitung da zu stehen. Doch Conrads Mitgefühl hielt sich in Grenzen, denn für gewöhnlich war er das fünfte Rad am Wagen. Sollte sein junger Kollege ruhig einmal sehen, wie sich das anfühlte. Vielleicht würde er sich nach dieser Erfahrung seine frechen Sprüche beim nächsten Mal sparen.

Lina lobte die Braut für die wunderschöne Dekoration und versicherte ihr, dass sie in ihrem Kleid wunderhübsch aussah. Sie ignorierte das Schnauben in ihrem Rücken, das die beiden Brautmonster zeitgleich von sich gaben und sagte, dass sie es eine wunderschöne Idee fände, auf einem Neckarschiff seine Hochzeit zu feiern. Zum Glück spielte ja auch das Wetter mit, was zu dieser Jahreszeit nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre.
„Ja, Gott sei Dank! Aber vier Wochen später wäre es nicht mehr gegangen“, erklärte die Braut lächelnd und streichelte dabei liebevoll ihren Bauch, der sicherlich noch an diesem Abend explodieren würde, da hätte Lina jede Wette gehalten.
Sie behielt ihren Gedanken für sich, dass man in der heutigen Zeit durchaus auch nach der Geburt eines Babys heiraten konnte. Anna war ein liebes, wenn auch etwas plumpes Mädchen, das offenbar noch keine Gelegenheit gefunden hatte, sich von ihren Eltern abzunabeln. Dies konnte Lina erkennen, an dem strengen Blick des Brautvaters, der Tatsache, dass im hochschwangeren Zustand geheiratet wurde und an dem ältlichen Alleinunterhalter, der seinem Keyboard offenbar nur musikalischen Durchfall entlocken konnte und ohne Zweifel ein Bekannter der Brauteltern war, den man aus alter Verpflichtung heraus engagieren MUSSTE. Anna war etwas ungelenk und konnte sich nicht gegen ihre Eltern durchsetzen – doch Lina mochte sie auf Anhieb richtig gerne und wünschte ihr, dass sie durch ihre Ehe nun endlich ihre Freiheit bekommen würde. So paradox das auch anmutete.

Morgen geht es weiter >>>

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