4. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

Print Friendly

Obwohl sie eine halbe Stunde zu früh dran waren, waren sie nicht die ersten auf dem Schiff gewesen. Drei ältere Herrschaften hatten bereits vor drei Kännchen Kaffee Platz genommen und sie mit einem herablassenden Blick bedacht, als sie sich artig vorgestellt und ihnen die Hand gegeben hatten. Die drei nannten knapp ihre Namen: Hugo Wellenbrink, Agathe Wellenbrink und Helene Kehrmann. Während der ältere Herr ein durchaus freundliches Wesen zu haben schien, verspritzten die Damen so viel Charme wie zwei schwarze Witwen, weshalb Conrad, Stefan und Lina schnell das Weite gesucht hatten. Nun standen sie in sicherem Abstand und konnten das Gespann eingehend studieren.

„Wahrscheinlich Schwestern. Die eine schon immer mit dem schüchternen Trottel verheiratet und unter Garantie kinderlos. Die andere geht dem Blick nach zu urteilen ungeöffnet zurück“, konstatierte Lina wie nebenbei.
Stefan prustete den großen Schluck Sekt, den er soeben genommen hatte, durch die Nase über die Reling, wobei er im Umdrehen Linas Kleid in Mitleidenschaft zog, während Conrad wieder eines seiner schallenden Lachen zum besten gab. Dies hatte allerdings erneute missbilligende Blicke der beiden Damen zufolge – der trottelige Hugo sah jedoch so aus, als würde er viel lieber dort bei ihnen stehen.

Stefan und Conrad beruhigten sich nur langsam. Das versprach ja doch ein witziger Tag zu werden, wenn sie schon über solch einfache Bemerkungen lachten, freute sich Lina. Als Conrad wieder halbwegs leise reden konnte, äußerte er seine Vermutung, dass diese drei wahrscheinlich zur Verwandtschaft der Braut gehörten. Conrad begründete diese Vermutung damit, dass er seinem lieben Kollegen Florian keine solch furchtbare Familie zutraute. Lina schaute ihn schief von der Seite an. Stefan Bruch wusste augenblicklich, was sie sagen wollte, und kicherte schon, bevor sie ihre Frage gestellt hatte.
„Soll das heißen, mir traust du eine Verwandtschaft wie die meine zu?“
Zuerst geriet Conrad ins Stottern. Doch als er ihren künstlich echauffierten Blick sah, lachte er wieder kurz in seiner herzlichen Art laut heraus, drückte sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Eins zu null für dich! Gut, dann legen wir uns also fest, dass wir uns diesbezüglich noch nicht festlegen.“

Morgen geht es weiter >>>

***

Lust auf mehr Abenteuer von und mit Lina Stark? Es gibt bereits drei aufgeklärte Kriminalfälle:


Comments are closed.