3. Türchen: Kostenlose Krimi-Kurzgeschichte

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Hallo ihr Lieben, auch im dritten Teil dieser Kurzgeschichte gibt es noch keinen Mord – dafür aber noch ein bisschen mehr Wissenswertes über Lina und Konsorten.

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Sie waren viel zu früh. Das Brautpaar würde erst in einer halben Stunde eintreffen. Jedoch hatten sie so Gelegenheit, alle ankommenden Gäste zu begutachten und sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Conrad und Lina hatten sich seit drei Wochen nicht mehr gesehen, was Lina immer wieder mit Überstunden begründen musste. Entsprechend besorgt zeigte sich Conrad – auch Stefan Bruch blickte forschend, und tatsächlich nicht missbilligend.
„Kind, du gefällst mir gar nicht. Kann es sein, dass du abgenommen hast?“
Lina nickte kaum merklich.
„Und geschlafen hast du auch schon länger nicht mehr, oder?“
Hier zuckte Lina leicht mit den Schultern, ließ den Kopf hängen und sagte leise: „Ich habe letzte Nacht wieder von Papa geträumt.“

Conrad wusste, von welchem Traum sie sprach; selbst Stefan hatte schon mitbekommen, dass sie immer wieder unter diesem einen Alptraum litt. Conrad nahm sie in den Arm und drückte sie einmal kurz und fest an sich. Dann ließ er sie ganz schnell wieder los, denn er wusste, dass Umarmungen nur Linas Tränendrüsen öffneten. Doch so ganz ungedrückt wollte er sie in dieser Situation nicht lassen. Sie wusste seine Geste zu schätzen, lächelte ihn tapfer an, während sie ein Taschentuch aus ihrer Handtasche zog und sich die leicht feuchten Augen abtupfte. Dann erklärte sie mit wieder fester Stimme.
„Ich brauche dringend einen neuen Job. Die Scheiße mach ich nicht mehr länger mit. Nur leider habe ich keine Ahnung, was ich sonst machen soll. Auf Büro habe ich keine Lust mehr – aber auf Lebenskünstler kann ich auch nicht machen, jetzt, wo das mit dem Haus geklappt hat.“

Sie strahlte ihn an und ließ die Worte wirken. Conrad begriff nur scheibchenweise. Doch als der Groschen fiel, freute er sich wie ein kleines Kind. Stefan verstand indes nur Bahnhof. So erklärten sie ihm, dass es Lina endlich gelungen war, ihr Elternhaus zurückzukaufen, das ihre Mutter sehr schnell nach dem Tod ihres Vaters versilbert hatte – und dies obwohl Ralf Stark immer betont hatte, dass es eines Tages seine Tochter bekommen sollte.
„Die Alte fällt aus allen Wolken, wenn ich ihr das in zwei Wochen erzähle“, freute sich Lina schadenfroh. „Ich kann das Gezeter jetzt schon hören.“

Lina war im Grunde kein gehässiger Mensch – doch für ihre Mutter und deren Familie machte sie eine Ausnahme. Conrad war jedoch besorgt, als er hörte, dass in zwei Wochen ein Treffen mit Clarissa de Lacroix, ehemals Stark, anstand.
„Sag mir bitte nicht, dass du für dieses unsägliche Familientreffen zugesagt hast!“
„Doch habe ich.“ Und Conrads entsetzten Blick ignorierend fügte sie hinzu: „Einmal im Jahr muss ich mich dort blicken lassen. Schließlich will ich mir nichts nachsagen lassen. Und wenn ich schon in die Höhle der Löwen muss, dann doch lieber mit Beistand von Onkel Herbert als allein, oder?“

Der Name Herbert beruhigte Conrad etwas, wusste er doch, dass dieser der einzige normale Mensch im Dunstkreis dieser Familie war. Da Stefan auch an dieser Stelle wieder sehr fragend blickte, weihten sie ihn noch etwas tiefer in die Mysterien ihrer Familie mütterlicherseits ein, bevor Lina beschloss, dass es nun aber gut sei. Dies sei ein fröhlicher Tag, der nach netten Themen verlangte. Also beschlossen sie kurzerhand, die bereits anwesenden Gäste unter die Lupe zu nehmen – und zu lästern. Denn dies konnten die drei besonders gut.

Morgen geht es weiter >>>

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