Uni-Hausarbeit für „Die Morde in der Rue Morgue“ gefällig?

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An meine Kritik zu Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque hatte ich euch schon einmal das Handout hochgeladen, dass ich seinerzeit in der Uni zu diesem Thema verfasst hatte. Dabei hatte ich die Idee, euch meine interessantesten Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Ehe diese harte Arbeit auf der Festplatte verstaubt, könnt ihr vielleicht ein paar Infos für eure Hausarbeiten oder andere Aufgaben herausziehen. Daher stelle ich heute meine Hausarbeit zur Edgar Allan Poes „Die Morde in der Rue Morgue“ online – selbstverständlich mit dem Hinweis, dass ihr diese nicht einfach abschreiben dürft und nicht nur mich, sondern auch meine Quellen nennen müsstet. Stichwort: Plagiat. Ihr wisst Bescheid … nicht, dass man euch euren Doktortitel aberkennt.

Ach ja: Für diese Arbeit bekam ich übrigens eine 1,7. 🙂

1. Einleitung

Edgar Allan Poes „Die Morde in der Rue Morgue“, die 1841 in der Aprilnummer des Graham´s Lady´s and Gentleman´s Magazine erschienen, gelten gemeinhin als die Gründungsurkunde der Detektivgeschichte. „Die entscheidende Anregung zu seiner Erzählung erhielt der Dichter durch Zeitungsberichte über einen geheimnisvollen Mordfall in Paris, die er frei umgestaltete.“(1) In dieser Erzählung beschreibt Edgar Allan Poe (19.01.1809 – 07.10.1849) den Mordfall an zwei einsam lebenden Damen in Paris. Madame L´Espanaye und ihre Tochter werden auf brutalste Weise umgebracht und grauenvoll verstümmelt. Aufgrund gegensätzlicher Zeugenaussagen, des vollständig abgeschlossenen Tatorts, des Fehlens eines Motivs und der ungeheuren Brutalität dieses Verbrechens steht die Pariser Polizei vor einem Rätsel. Dieser scheinbar unlösbare Fall wird von C. Auguste Dupin allein durch analytisches Denken und ratiocination aufgeklärt und ein entlaufener Orang-Utan als Mörder „entlarvt“.

In meiner Hausarbeit werde ich zunächst die Gattungsbezeichnung dieses Werks klären und mich der Frage widmen, ob es sich bei der Erzählung um eine Kriminalgeschichte, eine Detektivgeschichte oder am Ende sogar um beides handelt. Anschließend möchte ich anhand des Aufbaus die Aufklärungsarbeit des C. Auguste Dupin und die hierbei verwendete Ermittlungsmethode betrachten. Im Folgenden werde ich auf die Darstellungsweise Edgar Allan Poes eingehen und beleuchten, wie der Autor die für die Gattung spezifischen Motive und das Groteske einsetzt und ob der Gender-Aspekt eine Rolle spielt oder eher vernachlässigt werden kann. Abschließend möchte ich einen kurzen Vergleich zwischen dem „Gründungsvater“ C. Auguste Dupin und seinem wesentlich erfolgreicheren Nachfolger Sherlock Holmes anstellen.

2. Kriminalerzählung? Detektivgeschichte?

In diesem Teil meiner Arbeit möchte ich mich der Frage widmen, ob es sich bei Edgar Allan Poes „Die Morde in der Rue Morgue“ um eine Kriminalerzählung oder eine Detektivgeschichte handelt. Wenn man der Frage nachgeht, wie man die Detektivliteratur von der Kriminalliteratur abgrenzen könnte, stößt man bei verschiedenen Experten auf unterschiedliche Meinungen. Richard Alewyn warnt davor, den Detektivroman mit dem Kriminalroman zu verwechseln(2) und stellt fest, dass der Unterschied der beiden Erzählungen nicht im Gegenstand, sondern in der Form liege. Während der Kriminalroman die Geschichte eines Verbrechens erzähle, würde beim Detektivroman von der Aufklärung berichtet werden.(3) Zwei Erzählungen, denen das gleiche Thema zugrunde liege, würden demnach allein durch das unterschiedliche Setzen der Schwerpunkte verschiedenen Literaturgattungen angehören. Nach dieser Definition ließe sich die Erzählung Poes eindeutig als Detektivgeschichte bezeichnen, da hier nicht die Tat beschrieben wird, sondern die Aufklärungsarbeit, die ratiocination, im Mittelpunkt steht. Als weiteres Merkmal für einen Detektivroman führt Alewyn an, dass bei ihm das Geschehene „gegen den Strich“(4) – in umgekehrter Reihenfolge – erzählt werde. Auch dieser Aspekt trifft auf „Die Morde in der Rue Morgue“ zu. Die Beschreibung der Mordtat beginnt mit dem Leichenfund, fährt fort mit der Spurensuche und bringt erst am Ende eine Rückblende auf das, was in der fraglichen Nacht wirklich geschah. Wenn man also nach der Definition Alewyns geht, kann man Poes Erzählung eindeutig dem Detektiv-Genre zuordnen.

Anders verhält es sich bei Helmut Heißenbüttel, der den Zusammenhang zwischen den beiden Formen wie folgt beschreibt: „Der Kriminalroman, so wie er sich historisch entwickelt hat und wie er heute eine bestimmte und nicht wegzudiskutierende Rolle spielt, ist immer ein Detektivroman.“(5) Nach Heißenbüttel gebe es demnach keinen Unterschied zwischen den beiden Gattungen. Mit diesem Zitat und der oben erläuterten Gegenposition hierzu wird deutlich, dass sich eine genaue Abgrenzung nicht vornehmen lässt. Während die einen die Detektivgeschichte als eine eigenständige Gattung ansehen, ist diese Bezeichnung für andere ein Synonym für den Begriff Kriminalerzählung. Auch gibt es die Meinung, dass die Detektivgeschichte ein Teilbereich der Kriminalliteratur ist. Im Folgenden werde ich mich an letztere Definition halten, da man bei der Erzählung Poes sowohl Merkmale der Detektivgeschichte, als auch der Kriminalliteratur finden kann und eine genaue Differenzierung durch die mir vorliegende Literatur nicht möglich ist. Die Kriminalerzählung berichtet ganz allgemein von verbrecherischen Taten. Wenn es auch durchaus vorkommt, dass in ihr Juwelendiebstähle, Überfälle oder der Gleichen thematisiert werden, so kann man bei der Detektivgeschichte im Speziellen davon ausgehen, dass man es bei ihr „immer […] mit Mord zu tun“(6) bekommt.

Klaus Günther Just bezeichnet „Die Morde in der Rue Morgue“ als eine Schlüsselerzählung. Demnach sei sie „diejenige Erzählung, die uns grundlegende Aufschlüsse über die Gattung der Kriminalgeschichte, die durch sie inauguriert wurde, zu geben vermag.“(7) In ihr sind viele Grundelemente enthalten, die in der späteren Detektivliteratur wieder vorkommen werden und als Merkmale dieser Gattung bezeichnet werden können. Hierbei wäre unter anderem zu nennen, dass das zentrale Thema ein Mord ist, dass die Polizei dem vorliegenden Fall nicht gewachsen ist und einer Fehlspur nachjagt. Diese Merkmale werden noch durch weitere für die Detektivliteratur typische Motive ergänzt. Diese werde ich jedoch später unter Punkt 4.2 näher erläutern.

Nancy Harrowitz schreibt: „Edgar Allan Poe wird in den meisten historischen Abhandlungen zur Detektivgeschichte als der Vater dieser literarischen Gattung und seine „Morde in der Rue Morgue“ als die erste Detektivgeschichte der Welt bezeichnet.“(8) Klaus Günther Just ordnet die Erzählung jedoch der Kriminalliteratur zu und schreibt: „Das Erscheinen dieser Erzählung, als deren Verfasser Edgar Allan Poe zeichnet, gilt als die Geburtsstunde der modernen Kriminalliteratur.“(9) Wie man sieht, besteht bezüglich der Frage, ob Poes Erzählung eine Kriminal- oder Detektivgeschichte ist, keine Einigkeit unter den Experten. Aus diesem Grund kann man sagen, dass Poes Erzählung sowohl der Kriminalliteratur, als auch der Detektivliteratur zugeordnet werden kann. Einige Merkmale der Kriminalliteratur wurden zwar nicht hundertprozentig eingehalten, allerdings muss an dieser Stelle die Frage erlaubt sein, welches Werk sich immer genauestens an die vorgeschriebenen Definitionen hält und in klare Schemata einbinden lässt?

3. Aufklärung des Verbrechens

Edgar Allan Poes Erzählung „Die Morde in Rue Morgue“ lässt sich in drei Teile aufteilen. Der eigentlichen Geschichte wurden zwei Elemente vorangestellt: ein Zitat von Sir Thomas Browne und ein wissenschaftlicher Exkurs. Das Zitat hat einen einleitenden Charakter. „Was für ein Lied die Sirenen sangen oder welchen Namen Achilles annahm, als er sich unter den Weibern verbarg – diese Fragen sind zwar verzwickt, schließen aber nicht jegliche Lösungsmöglichkeit aus.“(10) Der Leser wird bereits mit diesem ersten Satz darauf eingestimmt, dass er bei der nun folgenden Geschichte nicht von vorn herein urteilen soll und alles, auch das Unmögliche, in Betracht ziehen muss.

Im zweiten Teil, dem „pseudowissenschaftlichen Essay“(11), stellt Poe einige Thesen auf, mit denen er die Denkweise des Detektivs wissenschaftlich zu erklären versucht. Demnach liebt der Analytiker „Rätsel, Vexierfragen, Hieroglyphen und entwickelt bei jeder Lösung einen Grad von Scharfsinn, der dem gewöhnlichen Verstand übernatürlich erscheint. Seine Resultate, die ausschließlich und wesentlich durch methodisches Vorgehen zustande kommen, erwecken tatsächlich ganz und gar den Anschein einer Intuition.“(12) Dies ist bereits ein Verweis auf C. Auguste Dupin, welchem derartige Fähigkeiten attestiert werden. Des Weiteren erklärt Poe, dass es vor allem auf die Beschaffung der, zur Klärung des Falles notwendigen, Informationen ankomme. Hierbei sei die Qualität der Beobachtungen von entscheidender Bedeutung. Allerdings müsse „man wissen, was man beobachten soll.“(13) Hierzu merkt Heißenbüttel an, dass der Detektiv von Anfang an weiß, wohin ihn sein Weg führen wird.(14) Aufgrund dieses Wissens weiß er natürlich, wonach er suchen muss und welche Informationen für die Bestätigung seiner Vermutung wichtig sind. Weiter ist der Analytiker auch im Stande, sich in den Geist seines Widersachers zu versetzen(15), sich mit ihm zu identifizieren und ihn dementsprechend zu durchschauen.

Im dritten Teil seiner Erzählung liefert Poe den „Beweis“ dieser, von ihm aufgestellten Thesen. Und dies gleich zweimal. Als Einführung beschreibt er einen nächtlichen Spaziergang des Ich-Erzählers und Dupins. Nachdem seit längerer Zeit kein Wort gefallen war, ergänzt Dupin die Gedanken, denen sein Freund nachging. Zum Erstaunen des Ich-Erzählers stimmt das von Dupin Gesagte genau mit seinem letzten Gedanken überein. Hierauf erläutert Dupin seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen. Die Tatsache, dass eine „unendliche Entfernung und Zusammenhanglosigkeit zwischen Ausgangspunkt und Ziel“ liegt, verdeutlicht die These, dass der Detektiv immer auch ein guter Beobachter sein muss. Dies ist auch für die Klärung des im Anschluss beschriebenen Mordfalles von großer Bedeutung. Die beiden Freunde erfahren von der Mordtat in der Rue Morgue durch Zeitungsberichte, in denen zum einen der Tatort beschrieben wurde. Zum anderen werden die Zeugenaussagen wiedergegeben, die sehr widersprüchlich sind. Dupin kommt aufgrund folgender Beobachtungen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Täter um kein menschliches Wesen handeln konnte. Zum einen konnte man die Stimme, die aus dem Raum zu den Zeugen drang, nicht als Stimme eines Menschen identifizieren, da sie merkwürdig schrill und ungleichmäßig war, unter den Zeugen keine Einigkeit über die Sprache bestand und auch keine Silbenbildung zu erkennen war(16). Außerdem waren die „Abwesenheit eines Motivs“(17), der nicht ersichtliche Fluchtweg und die „Abscheulichkeit des Mordes“(18) für Dupin ein weiterer Hinweis darauf, dass er keine Lösungsmöglichkeit, so unglaubwürdig sie auch war, ausschließen konnte. Die Besichtigung des Tatortes hat für Dupin daher nur noch „ergänzenden, bestätigenden Charakter“(19). Bei der Betrachtung des Raumes und des möglichen Fluchtweges weiß der Detektiv genau, worauf er zu achten hat. Seine Schlussfolgerungen hatte er bereits vorher gezogen und konnte sich daher genau auf die Dinge konzentrieren, die zum Beweis seiner These nötig waren. Um nun die Richtigkeit seiner Ermittlungen faktisch beweisen zu können, gibt Dupin eine Anzeige in einer Zeitung auf, die den Schuldigen, besser den Mitwisser, zu ihm führen soll.(20)

Laut Poe sei es möglich, dass ein analytisch denkender Mensch jedwedes Rätsel lösen könnte. Diese Geistesverfassung, die auch sein Detektiv C. Auguste Dupin besitzt, bezeichnet er als „ratiocination“(21). Die Erfolge seiner Ermittlungen seien das Resultat methodischer Gedankenarbeit. Andere Meinungen besagen jedoch, dass der Erfolg pures Glück und die Methode reine Raterei seien. Nancy Harrowitz nahm sich in ihrer Arbeit „Das Wesen des Detektivmodells“ dieser Frage an und kommt zu dem Schluss, dass die detektivischen Methoden, so wie sie bei Poe beschrieben werden, „die ersten Beispiele für eine abduktive Fragestellung im Rahmen der Detektiv/Verbrecher-Formel darstellen“.(22) Der Vorgang der Abduktion beginnt mit dem Beobachten und Registrieren bestimmter Sachverhalte, woraus sich ein Gesetz ableitet, dass den Ursprung dieser Sachverhalte erklären kann. Daraufhin wird das Beobachtete unter Einbezug dieses Gesetzes betrachtet und der Fall abduziert.(23) Auch bei Poe ist dieses Vorgehen erkennbar. Dupin registrierte, dass es keine Einigkeit bezüglich der Stimme des Mörders gab, dass die Mordtat unmenschliche Kräfte erfordert haben muss, dass es kein Motiv gab und dass zum Benutzen des einzig möglichen Fluchtweges „ein sehr ungewöhnliches Maß an Gewandtheit und Mut“(24) erforderlich war. Das Einzige, das diese Beobachtungen auf einen Nenner bringen konnte, war das Gesetz, das in diesem Fall hieß: Der Mörder ist kein Mensch. Der Mörder ist ein menschenähnliches Tier. Der Mörder ist ein Affe! Auch wenn Poe darauf beharrt, dass die Resultate „ausschließlich und wesentlich durch methodisches Vorgehen zustande kommen“(25), hat es für den neutralen Betrachter den Anschein, als sei weniger überragende geistige Arbeit, als vielmehr eine gute Intuition ausschlaggebend gewesen.

Auch wenn sich die Gemüter an der Frage scheiden, ob es sich hierbei nun um großartige gedanklich Leistungen oder Glück handle, steht fest, dass sich der Autor sicher war, dass es die „ratiocination“ tatsächlich gebe. Er war überzeugt, dass man jedes Rätsel lösen konnte. Dies ging sogar so weit, dass Poe „seiner eigenen Erzählsuggestion“ verfiel, da er „glaubte, einen realen und aktuellen Mordfall lösen zu können, an dem die Polizei gescheitert war.“(26) Auch er scheiterte an diesem Fall, was deutlich zeigt, dass der Autor nur etwas entwirren kann, was er vorher selbst verworren hat.

4. Darstellung

4.1 Typische Motive

Wie unter Punkt 2 bereits erwähnt, beinhaltet die Erzählung Poes viele Grundelemente, die sich in der späteren Detektiverzählung wiederfinden lassen. Im Folgenden möchte ich auf diese näher eingehen und sie anhand der „Morde in der Rue Morgue“ erläutern.

Als erstes Merkmal für eine Detektivgeschichte ist vor allem anderen zu nennen, dass es einen Detektiv gibt, der in diesem Fall von C. Auguste Dupin verkörpert wird. Dupin zeichnet sich durch seinen scharfen Verstand und seine ungeheure Kombinationsgabe aus. Im Gegensatz zu den hartgesottenen „hard boiled“ Detektiven, wie zum Beispiel Raymond Chandlers John Dalmas, die bei ihren Nachforschungen vornehmlich ihre Fäuste oder Pistolen einsetzen, vermag Dupin Kriminalfälle „durch eine Mischung aus Faktenermittlung und kombinatorischer Rätselraterei“(27) zu lösen. „Der Unterschied“ zwischen diesen Detektivarten „besteht grob gesagt in einer Verschiedenheit der Methoden: hier logisches Denken, dort raue Gewalt.(28)“ Während der eine bei seinen Ermittlungen seine Gegner „zusammendrischt“(29) und auch selbst des Öfteren Prügel bezieht, setzt der andere auf die Fähigkeiten seines Verstandes. Die „einzige charakterliche Schwäche“ des Detektivs C. Auguste Dupin „liegt in der ‚pomphaften Schaustellung’ seiner überragenden analytischen Fähigkeiten.“(30) Und dies ist bereits ein weiteres Merkmal dieser Gattung. Der Detektiv ist meist nur aus einem Grund an einem Fall interessiert: er will an ihm seine intellektuellen Fähigkeiten beweisen und demonstrieren. Auch Dupin nimmt die Ermittlungen auf, weil er davon ausgeht, dass die Pariser Polizei nicht methodisch genug vorgehe, um dieses Verbrechen lösen zu können und eine Untersuchung ihm und seinem Begleiter „Vergnügen bereiten“(31) sollte. Nur beiläufig erfährt der Leser in einem Nebensatz, dass der Beschuldigte Le Bon dem Detektiv einst einen Gefallen getan hatte, für welchen sich Dupin jetzt erkenntlich zeigen wollte. Dennoch kann man davon ausgehen, dass er sich, auch ohne diesen persönlichen Hintergrund, dieses Falles angenommen hätte. Eine derartig einmalige Gelegenheit, sein Können und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, hätte er sich wahrscheinlich nicht entgehen lassen.

Als nächstes möchte ich auf den suggestiven Titel(32) der Erzählung eingehen. Bereits durch ihn wird vermittelt, was der Leser zu erwarten hat. Während der Titel im Manuskript noch „The Murders in the Rue Trianon Bas“ lautete, hatte ihn Poe in der endgültigen Fassung in „The Murders in the Rue Morgue“ unbenannt(33). Auch wenn man aufgrund des ersten Titels bereits erkennen kann, dass in dieser Erzählung Tote zu erwarten sind, hat der zweite Titel eine wesentlich drastischere Wirkung. Die Tatsache, dass in einem Satz zweimal das Wort Mord/Tod vorkommt, suggeriert dem Leser, dass es sich hierbei um eine ganz außergewöhnlich schaurige Geschichte handeln muss. Weitere suggestive Mittel lassen sich auch innerhalb der Erzählung wiederfinden. So sind die Namen einzelner Protagonisten geschickt gewählt und dienen dazu, dem Lesepublikum bestimmte Vorgänge verständlich zu machen ohne sie erklären zu müssen. So wird der Bankangestellte Le Bon verdächtigt, die Morde begangen zu haben. Auch wenn der Leser zu diesem Zeitpunkt nichts weiter weiß, als das, was in den Zeitungen berichtet wurde, so kann er sich bereits denken, dass Le Bon, der Gute, unschuldig sein muss. Und dies bekommt er allein durch den Namen verdeutlicht. Dieses Motiv der suggestiven Namen und Titel lässt auch in anderen Werken wiederfinden. So zum Beispiel, in der Erzählung Raymond Chandlers „Gefahr ist mein Geschäft“, in der sich der Protagonist bei der Klärung eines Falles vielen Gefahren aussetzt. Bei Friedrich Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ verrät der Titel sogar schon das Motiv des Täters.

Ein weiteres Merkmal der Detektivgeschichte ist, dass der Detektiv in einem Spannungsverhältnis zur Polizei steht. Die Polizei, die dem mysteriösen, ihrer Meinung nach, unlösbaren Fall nicht gewachsen ist, stellt hierbei vor allem durch ihre Methoden einen Gegenpol zum Detektiv dar. Dupin geht davon aus, dass die Polizei nicht in der Lage ist, den Fall zu lösen und beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Die Pariser Polizei, die wegen ihres Scharfsinns so sehr gerühmt wird, ist schlau, aber nichts weiter. In ihrem Vorgehen ist keine Methode, es sei denn die Methode, die der Augenblick eingibt. […] Die Resultate, die sie erzielt, sind nicht selten überraschend, kommen jedoch meistenteils durch bloße Rührigkeit und Betriebsamkeit zustande. Wenn diese Eigenschaften versagen, bleiben ihre Bemühungen erfolglos.“(34) Dupin denkt somit, dass seine Methode der Polizeiarbeit weit überlegen ist. Die Darstellung der Polizei als eine unorganisierte, unüberlegt handelnde Instanz wird auch in späteren Erzählungen und Romanen aufgegriffen. Ob bei Gilbert Keith Chestertons Pater Brown oder Agatha Christies Miss Marple, die Polizeibeamten sind meistens die, die immer einen Tick zu spät kommen und bei der Aufklärung des Verbrechens allenfalls Zuschauer sind. Sie sind es auch, die den falschen Spuren („red herring“) folgen und in den meisten Fällen einen Verdächtigen festnehmen, der nichts mit den Morden zu tun hat. So erweist sich auch in Poes Erzählung das zuerst angenommene Raubmotiv(35), aufgrund dessen Le Bon verhaftet wurde, als falsch.

Auch über den Tathergang und vor allem die Flucht des Täters vermag die Polizei nicht das Geringste herauszufinden. Sie sieht sich in dieser Situation mit dem „Geheimnis des verschlossenen Raumes“ („the locked room puzzle“)(36) konfrontiert. Der Tatort, ein Hinterzimmer in dem Haus in der Rue Morgue, wird vollkommen verschlossen aufgefunden. Alle Türen und alle Fenster sind fest verriegelt. Ein Fluchtweg ist somit nicht erkennbar. Das Motiv des „verschlossenen Raumes“ greift Poe später in der Erzählung wieder auf. In der Aufklärungsszene verriegelt Dupin die Tür, um den Fluchtweg für den Matrosen zu versperren.

4.2 Das Groteske

Wenn man in der Brockhaus Enzyklopädie unter dem Wort „grotesk“ nachschlägt bekommt man folgende Definition: „willkürlich verzerrt, phantastisch, närrisch-seltsam, Bez. für Erscheinungen und Darstellungen von Verzerrtem, maßlos Gesteigertem, lustig bis schaurig Verformten, Derbkomischem und Monströsem.“(37) Auch in den Morden in der Rue Morgue lassen sich derartige Beschreibungen finden. Dies spiegelt sich zum einen in der Darstellung des Detektivs wider. Seine Marotten erscheinen dem objektiven Betrachter als albern und surreal. Als Mensch, der die Nacht und die Dunkelheit über alles liebt, stellt Dupin einen Gegensatz zum alltäglichen menschlichen Leben dar. Sein Freund, der Ich-Erzähler, mietet ein „angenagtes und groteskes Haus, das infolge abergläubischer Vorstellungen […] lange leergestanden hatte und dem Verfall anheimgegeben war“.(38) Er beschreibt weiter, dass sein Freund Dupin die Marotte hatte, „in die Nacht um ihrer selbst Willen verliebt zu sein“ und bemerkt, dass, wenn die Öffentlichkeit je erfahren hätte, welch ein Leben sie führten, sie für verrückt erklärt worden wären.(39) Das Leben, das die beiden führten, kann man infolge der oben gegebenen Definition durchaus als grotesk bezeichnen. Es ist eine maßlose Steigerung, wenn Poe davon berichtet, dass kein Sonnenlicht die alten Gemäuer beleuchtete und dass sich der Ich-Erzähler und Dupin erst zur Nacht auf die Straßen von Paris begaben. Diese Eigenschaften verhelfen dem Protagonisten, seine Rolle als Außenseiter der Gesellschaft zu festigen und sich vom normalen Leben abzuheben. Diese gesteigerte, fast lächerlich scheinende Darstellung dient dazu, den Detektiv in seine bestimmte Rolle einzuführen und ihn als außergewöhnlichen Menschen zu beschreiben. Die Leser sollen bereits bei der Beschreibung seiner Marotten erkennen, dass sie sich von ihm nicht nur in ihrer Denkweise und der Ausprägung der analytischen Fähigkeiten unterscheiden. Richard Alewyn beschriebt in seiner Arbeit „Anatomie des Detektivromans“ dieses Phänomen wie folgt: „Die skurrilen Züge, mit denen, besonders in der älteren Schule, der Detektiv ausgestattet wird, dienen nicht so sehr dazu, ihn ‚menschlicher‘ zu machen, wie häufig gesagt wird, als seine Außenseiterstellung zu betonen.“(40) Diese überspitzte Beschreibung des C. Auguste Dupin erfährt jedoch bei der Zurschaustellung seiner analytischen Fähigkeiten noch eine Steigerung. „Sein Gebaren war in diesen Augenblicken kalt und abstrakt; seine Augen blickten ausdruckslos, während seine Stimme, sonst ein wohltönender Tenor, zu einem Diskant anstieg, der albern geklungen hätte, wären seine Aussagen nicht so überlegt und völlig eindeutig gewesen.“ Den Ich-Erzähler belustige die Vorstellung von einem doppelten Dupin.(41) Dieses närrisch-seltsame Verhalten kann man durchaus als grotesk bezeichnen.

Eine weitere Groteske erfährt der Leser bei der Darstellung der Mordtat. Dem ersten Opfer, Madame L´Espanaye, wurde mit einem normalen Rasiermesser der Kopf fast vollständig vom Rumpf abgeschnitten. Danach wurde sie durch das Fenster in den Hinterhof geworfen. Das zweite Opfer, die Tochter der Madame, wurde erwürgt und danach, mit dem Kopf nach unten, in den Kamin gepresst. Die Beschreibung dieser abscheulichen Mordtat ergänzt Poe durch Einschübe wie: „Auf dem Herd fanden sich zwei oder drei lange und dicke Strähnen aus grauem Menschenhaar, ebenfalls mit Blut besudelt und offenbar mit den Wurzeln ausgerissen.“(42) Diese genaue und äußerst blutige Beschreibung der Mordopfer ist das, was in der oben gegebenen Definition als „monströs“ bezeichnet wurde. Es stellt sich natürlich hierbei die Frage, warum der Autor diesen Mord in allen seinen Einzelheiten und so unverblümt darstellen wollte oder musste. Dies war aus erzähltechnischen Gründen notwendig. Edgar Allan Poe war bemüht, eine gewisse Distanz zu dem Geschehen zu schaffen. „Mitleid mit dem Opfer oder […] Hass auf den Täter“(43) sollten vermieden werden. Da sowohl Opfer als auch Täter nur Figuren in der Gedankenarbeit des Detektivs sind, wird jegliche Emotionalität ausgeschlossen. Auch durch das Einführen der Zeitungsberichte und Zeugenaussagen wird die Distanz zum Verbrechen verstärkt. Als weitere Stationen zwischen dem Verbrechen und dem Leser sind der Detektiv und der Ich-Erzähler eingeschaltet. Die Kette ließe sich also wie folgt aufreihen: Verbrechen – „Zeugen (Nachbarn) – Detektiv (Dupin) – Freund des Detektivs (Ich-Erzähler)“(44) – Leser. Aufgrund der vielen Stationen ist es also wichtig, dass das Verbrechen so schaurig beschrieben wird, wie nur irgend möglich. „Nur so lässt sich die Distanz ohne Wirkungsminderung überbrücken und in Nähe umwandeln.“(45) Die groteske Darstellung ist in diesem Fall also notwendig, wenn der Autor erreichen will, dass, trotz des Fehlens jeglicher Emotionen, der Leser am Ball bleibt.

4.3 Der Gender-Aspekt

Als nächsten Punkt möchte ich den Gender-Aspekt in „Die Morde in der Rue Morgue“ näher betrachten. Wie uns während des Seminars aufgefallen ist, spielte das Verhalten bestimmter weiblicher Protagonisten eine entscheidende Rolle. Bei Theodor Fontanes „Unterm Birnbaum“ war ein entscheidendes Motiv für die Tat die Geldgier der Ursel Hradscheck. Bei Arthur Schnitzlers „Der Mörder“ trieb das Verhalten des weiblichen Opfers, Elise, den Täter zum Mord. Auch wenn dieser Aspekt bei Poe nicht offensichtlich ist, so ist er doch vorhanden und soll im Folgenden erläutert werden.

Wenn man auf den Gender-Aspekt in Edgar Allan Poes Werk näher eingeht, fällt auf, dass die einzigen weiblichen Protagonisten die beiden Opfer, Madame L´Espanaye und ihre Tochter, sind. Weder tragen Frauen zu der Aufklärung des Falles bei, noch besitzen sie in anderer Weise einflussreichen Charakter. Dennoch ist ein Gender-Aspekt zu erkennen. Für die Geschichte ist es nämlich unabdingbar, dass die beiden Opfer weiblichen Geschlechts sind. Der Dichter beschreibt den Zeitpunkt ihres Todes wie folgt: „Das Schreien und Sträuben der alten Dame […] hatten zur Folge, dass sich die wahrscheinlich friedlichen Absichten des Orang-Utans in bösartige verwandelten.“(46) Es stellt sich hierbei die Frage, ob es tatsächlich zu diesem abscheulichen Mord gekommen wäre, wenn die Opfer männlich gewesen wären. Diese Frage lässt sich wohl mit „Nein“ beantworten. Da Frauen im Allgemeinen weniger rational als emotional handeln, kann man davon ausgehen, dass sich ein Mann anders verhalten hätte. Ein Mann in dieser Situation wäre wahrscheinlich nicht hysterisch geworden und hätte damit eine Provokation des Orang-Utan vermieden. Auch wenn sich Frauen in unserer heutigen Zeit durchaus rational verhalten, und mit Bedacht auch aus Krisensituationen einen Ausweg finden können, konnte im 19. Jahrhundert eine derartige Emanzipation nicht vorausgesetzt werden. So wird vor allem in der Literatur der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) des Öfteren von Frauen berichtet, die bei der kleinsten Aufregung in Ohnmacht fielen oder hysterisch wurden. Dies liegt an der Rolle, die eine Frau in der damaligen Gesellschaft zu verkörpern hatte. Während die heutige Frauen-Generation dazu erzogen wird, in der Gesellschaft ihren „Mann zu stehen“, mussten Frauen im 19. Jahrhundert die Rolle der sanftmütigen Mutter übernehmen, die eine Krise nur mit ihrem rational denkenden Mann überstehen konnte. Frauen wurden von jeglichen Aufregungen fern gehalten und lernten somit auch nicht, wie sie sich in Extremsituationen zu verhalten hatten. Aus diesem Grunde reagiert Madame L´Espanaye nicht vernünftig, sondern mit Geschrei und Hysterie, wodurch der Affe provoziert und die Tat erst ermöglicht wurde. Ein Mann hätte in dieser Situation vielleicht einen „kühlen Kopf“ bewahrt, eine günstige Gelegenheit abgewartet um sich in Sicherheit zu bringen und vor allem nicht losgeschrien. Er hätte so reagiert, weil es seine Erziehung so von ihm verlangte.

Der Gender-Aspekt in „Die Morde in der Rue Morgue“ ist demnach nicht zu unterschätzen. Auch wenn er beim ersten Betrachten nicht sofort erkennbar ist, kann man abschließend doch sagen, dass er für den Tathergang und somit für die ganze Geschichte notwendig ist. Wenn die potentiellen Mordopfer Männer gewesen wären, wäre es vielleicht nie zur Tötung gekommen. Und was wären „Die Morde in der Rue Morgue“ ohne die Morde?

5. Vergleich Sherlock Holmes vs. C. Auguste Dupin

Als letzten Punkt meiner Arbeit möchte ich einen Vergleich zwischen Edgar Allan Poes Detektiv C. Auguste Dupin und Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes anstellen.

„Das ‚Muster’ das Poe mit dem ‚Doppelmord in der Rue Morgue’ aufgestellt hatte, blieb, wie die historische Entwicklung zeigt, zunächst ohne unmittelbare Nachfolge. […] Erst ein knappes Halbjahrhundert nach Poe wird die Entwicklung fortgesetzt.“(47) 1887 erscheint „Eine Studie in Scharlach“, der erste Sherlock Holmes-Roman. Während Poe als der Vater der Detektivgeschichte angesehen wird, wurde der Name Sherlock Holmes „ein Synonym für den Detektiv schlechthin“(48). Dies liegt vor allem daran, dass Doyle seinen Vorgänger quantitativ um Längen übertraf und somit einen viel größeren Einfluss auf sein Publikum ausüben konnte.

Sir Arthur Conan Doyle orientierte sich bei den wesentlichen Charakterzügen seines Protagonisten an dessen Vorgänger Dupin. Beide verfügen über großartige analytische Fähigkeiten und bekleiden Randpositionen innerhalb der Gesellschaft. Allerdings haben sowohl Dupin als auch Holmes einen Begleiter zugewiesen bekommen, der nicht über die Fähigkeiten des Detektivs verfügt und die Kontaktperson zwischen Leser und Detektiv darstellt. Durch die Instanz dieses Freundes ist der Leser in der Lage, die gedanklichen Höhenflüge des Detektivs zu verstehen, da sowohl Dupin als auch Holmes ihre Erkenntnisse dem Freund und dadurch auch dem Leser erläutern. Beide sind Exzentriker. Dupin liebt die Nacht um ihrer selbst Willen und Holmes „verschmäht eine gelegentliche Dosis Morphium nicht“(49). Sie haben keinen Kontakt zu Frauen und führen „eine fast mönchische Existenz.“(50)

In ihrem Wesen ähneln sich die Hauptakteure, dennoch gibt es einen bedeutenden Unterschied, der in der Art ihrer Ermittlungen liegt. Poe nennt das Vorgehen seines Detektivs „ratiocination“ und schließt bei der Lösungssuche keine, noch so unwahrscheinliche Variante aus. Bei Doyle ist von der „science of deduction“ die Rede. Dieses Vorgehen verfolgt das Prinzip, dass „wenn alles Denkunmögliche ausgeschlossen wird, ein einziges Denkmögliches übrig bleibt und dieses einzig Denkmögliche auch das einzig Wahre und Faktenrichtige ist.“(51) Der Unterschied besteht darin, dass C. Auguste Dupin, im Gegensatz zu Holmes, bei seiner Methode selbst das Denkunmögliche nicht ausschließt und sich das Blickfeld nicht durch vorgefasste Konventionen versperren lässt. Während man bei der Abduktion, wie sie bei Poe angewandt wird, neue Gesetze aus dem Beobachteten ableitet, wird bei der Deduktion versucht auf der Grundlage bestehender Gesetze eine Lösung zu finden.

Auch wenn Sherlock Holmes der bekanntere und beliebtere Detektiv ist, hat sein Erfinder Sir Arthur Conan Doyle nie vergessen, wieviel er Poe zu verdanken hatte: „… for those tales have been so pregnant with suggestion, so stimulating to the minds of others, that it may be said of any of them that each is a root from which a whole literature has developed…“(52) Er war sich im Klaren darüber, was Poe für die Detektivgeschichte getan hatte und zollte ihm den Respekt, den der Gründer dieser Gattung von jedem seiner Nachfolger erwarten kann.

6. Schluss

Edgar Allan Poes Erzählung „Die Morde in der Rue Morgue“ erschienen erstmals im April 1841. 162 Jahre sind seit dem vergangen und die Geschichte hat nichts von ihrer Spannung, ihrer Dramatik und ihrem Zauber eingebüßt. Noch heute sind Leser weltweit von der Kombinationsgabe des C. Auguste Dupin begeistert. Auch das beschriebene Verbrechen ist heute genauso schaurig wie damals, und dass, obwohl die Menschheit in der Zwischenzeit genug schlechte Erfahrungen machen musste und sich nicht mehr so leicht erschrecken lässt. Edgar Allan Poe war ein Meister seines Fachs und wusste um die Kunst, sein Publikum zu schockieren. Durch seine „Morde in der Rue Morgue“ hat er sich unsterblich gemacht, nicht nur, weil er mit ihnen eine neue Form der Literatur begründete, sondern auch, weil er es geschafft hat, sie durch das Thema Gewalt und Schrecken als zeitloses Werk zu exponieren. Leider wurde das Genie Poes zu Lebzeiten nicht erkannt. Die Gesellschaft in der er lebte, war noch nicht bereit, die revolutionäre Veränderung in der Literatur zu begreifen und zu würdigen.

„Die Zeitgenossen haben Poe ein höfliches Interesse entgegengebracht, ein finanzieller Erflog ist ihm versagt geblieben. Hätte man ihn schon zu Lebzeiten so hoch geschätzt, wie wir es heute tun, […] so wäre er sicher so reich gewesen, wie Edgar Wallace, und wir brauchten nicht das traurige und ironische Faktum anzumerken, dass der ‚Vater der Detektivgeschichte’ arm und krank in der Gosse gestorben ist.“(53)

7. Literaturangaben

  1. Alewyn, Richard: Anatomie des Detektivromans. In: Der Kriminalroman II. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. Hg. von Jochen Vogt. München 1971.
  2. Brockhaus Enzyklopädie. In vierundzwanzig Bänden. Neunzehnte, völlig neu bearbeitete Auflage. Neunter Band. GOT-HERP. Mannheim 1989.
  3. Buchloh, Paul G.: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. In: Der Detektivroman. Studien zur Geschichte und Form der englischen und amerikanischen Detektivliteratur. Mit Beiträgen von Antje Wulff und Walter T. Rix. Hg. von Paul G. Buchloh und Jens P. Becker. Darmstadt 1973.
  4. Dimmler, Klaus (Hg.): Die Dunkelheit des Tages und der Nacht. C. Auguste Dupin (Edgar Allan Poe). In: Holmes, Marlow & Co. Die besten Detektive der Welt. Leipzig 1999.
  5. Harrowitz, Nancy: Das Wesen des Detektiv-Modells. Charles S. Peirce und Edgar Allan Poe. In: Der Zirkel oder Im Zeichen der Drei. Dupin, Holmes, Peirce. Hg. von Umberto Eco und Thomas A. Sebeok. München 1985.
  6. Heißenbüttel, Helmut: Spielregeln des Kriminalromans. In: Der Kriminalroman II. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. Hg. von Jochen Vogt. München 1971.
  7. Just, Klaus Günther: Edgar Allan Poe und die Folgen. In: Der Kriminalroman I. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. München 1971.
  8. Poe, Edgar Allan: The Murders in the Rue Morgue. Die Morde in der Rue Morgue. Englisch und Deutsch. Übersetzt und Herausgegeben von Siegfried Schmitz. Stuttgart 1974.

Fußnoten

  1. Nachwort. In: Edgar Allan Poe: The Murders in the Rue Morgue. Die Morde in der Rue Morgue. Englisch und Deutsch. Übersetzt und Herausgegeben von Siegfried Schmitz. Stuttgart 1974.S. 95
  2. Richard Alewyn: Anatomie des Detektivromans. In : Der Kriminalroman II. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. Hg. von Jochen Vogt. München 1971. S. 373.
  3. Ebd. S. 375.
  4. Ebd, S. 374.
  5. Helmut Heißenbüttel: Spielregeln des Kriminalromans. In: Der Kriminalroman II. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. Hg. von Jochen Vogt. München 1971. S. 360.
  6. Alewyn: Anatomie des Detektivromans. S. 373.
  7. Klaus Günther Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. In: Der Kriminalroman I. Zur Theorie und Geschichte einer Gattung. München 1971. S. 13.
  8. Nancy Harrowitz: Das Wesen des Detektiv-Modells. Charles S. Peirce und Edgar Allan Poe. In: Der Zirkel oder Im Zeichen der Drei. Dupin, Holmes, Peirce. Hg. von Umberto Eco und Thomas A. Sebeok. München 1985. S. 262.
  9. Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. S. 11.
  10. Edgar Allan Poe: The Murders in the Rue Morgue. Die Morde in der Rue Morgue. Englisch und Deutsch. Übersetzt und Herausgegeben von Siegfried Schmitz. Stuttgart 1974. S. 5.
  11. Paul G. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. In: Der Detektivroman. Studien zur Geschichte und Form der englischen und amerikanischen Detektivliteratur. Mit Beiträgen von Antje Wulff und Walter T. Rix. Hg. von Paul G. Buchloh und Jens P. Becker. Darmstadt 1973. S.36.
  12. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 5.
  13. Ebd. S. 9.
  14. Heißenbüttel: Spielregeln des Kriminalromans. S. 365.
  15. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 7.
  16. Ebd. S. 65
  17. Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. S. 11.
  18. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 49.
  19. Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. S. 10.
  20. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. S. 37.
  21. Harrowitz: Das Wesen des Detektiv-Modells. S. 270.
  22. Ebd. S. 264.
  23. Ebd. S. 277.
  24. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 65.
  25. Ebd. S. 5.
  26. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. S. 41.
  27. Heißenbüttel: Spielregeln des Detektivromans. S. 357.
  28. Ebd. S. 358.
  29. Ebd. S. 356.
  30. Klaus Dimmler (Hg.): Die Dunkelheit des Tages und der Nacht. C. Auguste Dupin (Edgar Allan Poe). In: Holmes, Marlow & Co. Die besten Detektive der Welt. Leipzig 1999. S. 14.
  31. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 45.
  32. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. S.38.
  33. Ebd.
  34. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 43.
  35. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. S. 38.
  36. Ebd.
  37. Brockhaus Enzyklopädie. In vierundzwanzig Bänden. Neunzehnte, völlig neu bearbeitete Auflage. Neunter Band. GOT-HERP. Mannheim 1989. S. 209.
  38. Edgar Allan Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 15.
  39. Ebd.
  40. Alewyn: Anatomie des Detektivromans. S. 385.
  41. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 17.
  42. Ebd. S. 25
  43. Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. S. 13.
  44. Ebd. S. 15.
  45. Ebd. S. 15.
  46. Poe: Die Morde in der Rue Morgue. S. 89.
  47. Just: Edgar Allan Poe und die Folgen. S. 17f.
  48. Ebd. S. 19.
  49. Ebd. S. 20.
  50. Ebd. S. 19.
  51. Buchloh: Edgar Allan Poe und die Detektivgeschichte. S. 40.
  52. Ebd. S. 44.
  53. Ebd. S. 45.

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