Ein Konzert, gestohlene Karten und 100 graue Haare

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Ich bin ein Mensch der gerne im Internet bestellt: Kleidung, Konzertkarten, Bücher, Filme, selbst besondere Nahrungsmittel habe ich bereits in den Weiten des WWW geordert. Doch neulich musste ich eine Erfahrung machen, die mich künftig nicht mehr so unbefangen bestellen lassen wird. Wobei an dem ganzen Durcheinander gar nicht das Internet Schuld ist – sondern vielmehr die Art und Weise der Verpackung und die Post.

Doch beginnen wir am Anfang: Letztes Jahr im September habe ich für meine Mama zu Weihnachten Konzertkarten für James Blunt bestellt. Alles lief wie immer, bis ich den Brief entdeckte, in dem mir die Karten eigentlich hätten zugestellt werden sollen. Ich frage mich bis heute, wie frech ein Briefträger eigentlich sein muss, um so etwas überhaupt einzuwerfen:

Konzertkarten © Sandra Schwarz
Abstandhalter
Der Brief war an beiden Seiten aufgerissen und die Karten gestohlen worden. Also rief ich bei Eventim an. Da es sich glücklicherweise um Platzkarten handelte, sicherte mir die Dame an der Hotline zu, dass wir das Konzert trotzdem besuchen können. Dafür würde ich in den nächsten Tagen eine Einlassbestätigung vom Veranstalter erhalten, nachdem ich eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben habe. Ich nehme es vorweg: Die Einlassbestätigung kam erst auf mehrmalige Nachfrage am Vorabend des Konzerts an – und dies auch nicht vom Veranstalter, sondern von Eventim. Eine Tatsache, die uns neuen Wirbel beim Einlass bescherte.

Der Post war mein Verlust im Übrigen schnurzpiepegal. Dass es wohl einer ihrer Mitarbeiter gewesen sein muss, der die Karten gestohlen hat, interessierte niemanden. Von den überaus kompetenten Damen in unserem Strickshop mit angeschlossenem Postschalter habe ich lediglich ein Schulterzucken und die Nummer einer Hotline erhalten – die jedoch für mein Anliegen nicht zuständig war.

Und auch Eventim scheint aus Vorfällen wie diesen nichts zu lernen, denn sie drucken weiterhin munter den Absender auf den Brief. Da können sie ja gleich drauf schreiben:

Konzertkarten in Urkundenform – bitte aufreißen, klauen und weiterverchecken!

Man sollte doch meinen, dass man in unserer modernen Zeit anonymisierte Briefe verschicken kann, die im Zweifelsfall mithilfe eines Codes o. ä. an den Absender zurückgeschickt werden können. Gerade bei Großkunden wie Eventim muss so etwas doch möglich sein.

Nach mehreren Monaten Nachfragen und Zittern, ob wir nun das Konzert besuchen können, und weiterem nervösen Ausschauhalten, ob jemand unsere Karten auf dem Schwarzmarkt gekauft hat und damit Anspruch auf unsere Plätze anmeldet, konnten meine Ma und ich am Donnerstag dann doch noch James Blunt in Frankfurt genießen. Die grauen Haare im Vorfeld hätte ich mir jedoch gerne gespart.

Meine Lehre aus dieser Sache

Nach dieser Erfahrung werde ich künftig lieber direkt zu einem Ticketverkauf in meiner Nähe fahren, als meine Karten im Internet zu bestellen und von der Post liefern zu lassen. Zumindest sofern das möglich ist. Denn leider werden viele Tickets bei Eventim exklusiv vertrieben. So war es auch bei meinen James-Blunt-Karten. Wenn ich da den exklusiven Vorverkauf abgewartet hätte, hätten wir wahrscheinlich nur noch etwas im zweiten Rang bekommen.

Bestellungen im Internet sind bequem und gehen schnell – doch leider haben wir uns in manchen Lebensbereichen zu sehr davon abhängig gemacht.


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