Schon lange nicht mehr so gelacht: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes

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Bekanntermaßen schäme ich mich in Grund und Boden, dass ich derzeit unfähig bin, ein Buch in einer angemessenen Zeit durchzulesen. Doch um mich nicht vollständig vom Literaturgeschehen abzukoppeln, konsumiere ich Hörbücher. Und was ich dort zuletzt auf die Ohren bekam, war Er ist wieder da von Timur Vermes – gelesen von Christoph Maria Herbst in der Rolle des Adolf Hitler. Das wohl abstruseste, chaotischste und lustigste Hirngespinst, das mir je unter die Ohren gekommen ist!

Klappentext von „Er ist wieder da“

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes‘ Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte.

Meine Meinung zu „Er ist wieder da“

Ganz ehrlich: Als ich las, dass „Er ist wieder da“ das Debüt von Timur Vermes ist, war ich extrem neidisch. Warum ist mir so eine geniale Geschichte nicht eingefallen? Doch im gleichen Moment kam die Erkenntnis: Ich hätte mich sowieso nicht getraut, das aufzuschreiben. Da lässt einer Adolf Hitler auferstehen. Dieser Hitler bekommt nicht nur eine zweite Chance, er nutzt sie sogar, steigt zu einer angesehenen Fernsehgröße auf und verpestet seine Umwelt mit seinen Parolen und Weltreichsfantasien. Und dies auf eine Art und Weise, die mich mehrmals schallend laut lachen ließ.

Wie nebenbei fasst dieser Hitler den Entschluss, eine flapsige Assistentin für die zweite Verhaftungswelle vorzusehen, weil sie sich einen Spaß mit ihm erlaubt. Er konstatiert, dass die Abkömmlinge gewisser Mitmenschen einen hervorragenden neuen Volkssturm abgeben werden, während er andere offen als „Rassenausschussware“ bezeichnet. Er kommentiert das alltägliche und politische Geschehen mit Worten, die mir öfter ein „Recht hat er!“ entlockten. Oh mein Gott, ich habe Adolf Hitler Recht gegeben! Darf man das? Nein, darf man nicht! Aber dieser Hitler trifft doch nun einmal den Nagel auf den Kopf, wenn er sich über unsere „Kanzlermatrone“ und das „Politikwürstchen“ mockiert, das seine Arztausbildung abgebrochen hat, um in die Politik zu gehen und dort jetzt wie der „Klassentölpel“ wirkt, der immer dem Bus hinterher rennt. Oder wenn er die SPD nicht mehr als politisch relevanten Gegner einstufen kann. Oder wenn er feststellt, dass kein Deutscher, der etwas auf sich hält, in die NPD eintreten würde. Sicherlich stellt er all dies aus anderen Gründen fest als unsereins. Doch unterm Strich hält er uns den Spiegel vor – nicht nur den Politikern, uns allen.

„Er ist wieder da“ ist ohne Zweifel das lustigste Buch, das ich bisher „gelesen“ habe. Und ich bin heilfroh, dass ich es nicht lesen, sondern hören durfte. Christoph Maria Herbst ist einfach göttlich in der Rolle des Adolf Hitler, die Betonung und die Emotionen, die er in seine Stimme packt sind sagenhaft. Anfangs war ich noch unsicher, ob ich mir diese Stimme lang würde anhören können. Doch bald konnte ich nicht mehr aufhören. Daher empfehle ich jedem, das Hörbuch zu hören und nicht das Buch zu kaufen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses ohne die Stimme und den dazugehörigen Pathos genauso witzig ist.


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