Kein einfaches Thema: Eltern auf ihre Pflege ansprechen

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Die meisten Leute meiner Generation wissen, dass ihre staatliche Renten- und Pflegeversicherung nicht ausreichen wird. Also sorgen wir schon heute vor, schließen Zusatzversicherungen ab und stopfen jeden freien Penny in die private Altersvorsorge. Wir machen uns sehr viele Sorgen um unsere eigene Zukunft – und vergessen manchmal, dass zuerst die Generation unserer Eltern in den Ruhestand gehen wird. Doch haben sich auch diese ausreichend Gedanken um ihre Zukunft gemacht?

„Du willst uns ja nur loswerden!“

Neulich erzählte mir eine Freundin, dass sie tierischen Stress mit ihren Eltern bekommen hat, als sie ihnen vorschlug, eine zusätzliche Pflegeversicherung abzuschließen. Da fielen Sätze wie: „Du willst uns ja nur loswerden!“ oder „Wozu? Schließlich kannst du uns doch pflegen. Haben wir mit der Oma ja auch gemacht.“ Wir sind uns wohl alle einig, dass diese Einstellung wenig hilfreich ist – zumal sich die Zeiten geändert haben.

Kaum ein Haushalt kommt heute noch mit einem Gehalt aus. Die meisten Familien brauchen zwei Gehälter, um über die Runden zu kommen. Wenn dann noch die Eltern betreut werden müssen, wir das alltägliche Leben zum finanziellen und körperlichen Kraftakt.

Daher ist es nur verantwortungsvoll, wenn erwachsene Kinder bei ihren Eltern das Thema Pflege und Altersvorsorge ansprechen. Es gibt so viele Möglichkeiten und wer sich rechtzeitig kümmert, kann späteren Stress und Ärger vermeiden.

Wer soll die Eltern im Alter betreuen?

Sicherlich ist es am schönsten, wenn man bis zu seinem Tod eigenständig in seinem eigenen Heim leben kann. Doch zeigen die Zahlen, dass dies immer seltener wird. Und selbst wenn man kein Pflegefall für das Pflegeheim wird, fällt das Leben leichter, wenn man nicht alles allein bewältigen muss. Daher gilt es, rechtzeitig die Möglichkeiten zu besprechen.

  • Betreuung in den eigenen vier Wänden
  • Wer soweit noch rüstig ist und nur etwas Hilfe im Alltag benötigt, muss nicht sein Heim verlassen. In diesen Fällen reichen meist Pflegedienste, die ein bis zweimal am Tag vorbeischauen. Oder man engagiert den Eltern eine Vollzeitpflegerin, die bei ihnen einzieht und sie rund um die Uhr im Auge behält. So weiß man, dass die Eltern gut versorgt sind, kann sie wie bisher besuchen und trotzdem weiter arbeiten gehen und sein Leben leben.

  • Umzug zu den Kindern
  • In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, wenn die Mama oder der Papa im hohen Alter zu einem der Kinder zieht. Dies ist jedoch oft nur zu stemmen, wenn dieses Kind oder dessen Partner nicht Vollzeit arbeiten müssen. In jedem Fall muss schon vorher klar geregelt werden, ob und wie das pflegende Kind für seine Arbeit entschädigt wird. Da wird gerne viel versprochen – doch wenn die Eltern dann nicht mehr sind, kann sich komischerweise niemand mehr erinnern, dass man für die Pflege einen höheren Erbanteil bekommen sollte. Daher: Immer alles schriftlich vereinbaren. Denn wenn’s ums Erben geht, hört bei vielen Menschen leider die Freundschaft auf.

  • Betreutes Wohnen
  • Ein sinnvoller Mittelweg zwischen der Pflege zu Hause und dem Seniorenheim ist das Betreute Wohnen. Hier können die älteren Herrschaften allein leben und ihren Alltag meistern – haben im Notfall aber immer eine helfende Hand. Wenn ich später einmal die Wahl hätte, wäre das ein Konzept für mich.

  • Seniorenheim
  • Viele Kinder scheuen sich davor, ihre Eltern in ein Seniorenheim „abzuschieben“. Doch manchmal gibt es einfach keine Alternative. Diese Option muss daher klar mit den Eltern besprochen werden. Vielleicht sehen diese das gar nicht so eng. Oder die sträuben sich mit Händen und Füßen. In jedem Fall sind wir später schlauer und können mit unseren Eltern besprechen, was stattdessen in Frage kommt.

Im Internet gibt es zu diesem Thema selbstverständlich sehr viel mehr Informationen und auch Suchmaschinen für Altenheime, Betreutes Wohnen oder Pflegedienste findet man hier. Das Wichtigste ist jedoch zunächst, das Gespräch mit den eigenen Eltern zu suchen und sie langsam für dieses Thema zu sensibilisieren. Schließlich werden auch sie nicht wollen, dass wir in finanzielle Not geraten oder mit einem Burnout zusammenbrechen, weil wir arbeiten und sie nebenbei pflegen müssen.

Das Thema totzuschweigen ist in jedem Fall keine Lösung.


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