Kollegen oder Freunde: Wo hört Arbeit auf, fängt Freundschaft an?

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Ich bin ein Mensch, der sehr strikt nach Freunden und Bekannten trennt. Nicht jeder, der sich auf Facebook mein Freund nennt, verdient diese Bezeichnung im echten Leben. Auch ist nicht jeder Bekannte ein Freund, nur weil ich ihn öfter sehe als einen langjährigen Freund, der leider in einer anderen Stadt lebt. Noch schwieriger als die Unterscheidung nach Freunden und Bekannten fällt vielen Menschen die Unterscheidung zwischen Freunden und Kollegen. Doch auch hier vertrete ich eine klare Meinung.

Wenn sich Kollegen gut verstehen …

Angestellte verbringen mit ihren Kollegen oft mehr Zeit als mit ihren Partnern. Acht Stunden und mehr teilen sie sich ein Büro, gehen zusammen Mittag essen und reden auch über private Dinge. Es ist schön, wenn sich Kollegen gut verstehen. Das erleichtert allen Beteiligten nicht nur den allmorgendlichen Weg ins Büro, sondern fördert auch die Leistungsbereitschaft und Kreativität eines Teams. Es spricht also absolut nichts für ein vertrautes „du“ und ein bisschen privaten Klatsch in der Kaffeepause.

… ist dennoch Vorsicht geboten!

Jedoch sollten wir immer überlegen, was wir unserem Gegenüber erzählen. Denn manchen Menschen ist zu viel Nähe unangenehm. Diese unterhalten sich gerne über den neuesten Bruce-Willis-Film, jedoch nicht über gesundheitliche oder Eheprobleme. Daher sollten wir immer im Auge behalten, wie unser Gegenüber reagiert – und ggf. zurückrudern, wenn wir sehen, dass er sich bei einem Thema unwohl fühlt.

Im Gegenzug haben jedoch auch wir die Möglichkeit, unserem Kollegen Einhalt zu gebieten, wenn er zu viel Privates von sich preisgeben will. Das Vorgehen hängt hierbei sehr von unserem Charakter und dem des Kollegen ab. Solange wir jedoch taktvoll und höflich sind, wird es uns unser Kollege bestimmt nicht übelnehmen.

Wie bei jeder Beziehung spielt sich irgendwann das Verhältnis zu neuen Kollegen ein und man weiß, wem man was erzählen kann. Dennoch sollten wir niemals unterschätzen, wie sich Menschen verändern, wenn andere zu ihren Konkurrenten werden. Wenn eine Beförderung im Raum steht, vergessen manche Leute alle „freundschaftlichen“ Beziehungen und nutzen sogar vertrauliches Wissen für ihre Zwecke.

Mein Motto lautet daher: Kollegen und Geschäftspartnern erzähle ich immer nur das, was ruhig alle Welt wissen kann. Denn aus solch banalen Informationen kann mir niemand einen Strick drehen.

Doch wann wird ein Kollege ein Freund?

Vielleicht bin ich zu pessimistisch, vielleicht zu verschlossen oder stur: Doch solange ein Kollege ein Kollege ist, zähle ich ihn nicht zu meinem Freundeskreis. Er ist maximal ein Kollege, der auch ein guter Bekannter ist. Arbeiten wir jedoch eines Tages nicht mehr zusammen und verlieren uns trotzdem nicht aus den Augen, dann scheint diese Beziehung tatsächlich belastbar zu sein, auch über die beruflichen Grenzen hinaus. Und dann wird aus einem Kollegen ein Freund.