Urlaub 2013 – Tag 3 – Heli, Lava & Sunset

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Was für eine Nacht! Insgesamt vier Mal bin ich wach – dem Wasser vom Vorabend und dem Jetlag sei Dank. Ab halb fünf bekomme ich kein Auge mehr zu und wälze mich von einer Seite auf die andere. Doch pünktlich zum Aufstehen bin ich dann wieder müde. Das kann ja was werden!

Da wir nicht über die Lavafelder wandern dürfen, haben wir am Vorabend einen alternativen Plan beschlossen. Gleich am Morgen wollen wir auf die andere Seite des Lavafelds nach Kaimu fahren. Hier legen Boote ab, mit denen man zu den Stellen schippern kann, an denen die Lava ins Meer fließt. Vielleicht machen wir am Abend so eine Tour – richtig überzeugt sind wir jedoch nicht von diesem Konzept, da wir ja eigentlich einen Helikopter-Flug machen wollten. Doch ob wir da noch zwei Plätze ergattern?

Das Schicksal spielt uns einen Streich und auf unserem Weg verpassen wir den Highway 130 an die Küste. Ehe wir es uns versehen, sind wir schon in Hilo, dem größten Ort der Insel. Naja, wenn wir sowieso direkt am Flughafen vorbeikommen, können wir auch gleich nach Heli-Flügen fragen. Gesagt, getan und tatsächlich könnten wir am frühen Nachmittag fliegen – aber nur, wenn sich noch zwei andere finden, die mitmachen. Die Damen am Schalter wollen uns anrufen, wenn sie mehr wissen, und wir machen uns wieder auf die Socken in Richtung Küste.

Lava-Bäume

hawaii_tag3_1Dieses Mal finden wir die Abzweigung auf die 130 und nach wenigen Minuten erreichen wir das Ziel unserer Fahrt: das Lava Tree State Monument. In diesem Park stehen überall verstreut erkaltete Lavasäulen. Hier floss einst Lava vorbei und ummantelte die Bäume, ohne sie zu verbrennen. Die Lava erkaltete und die Bäume im Inneren starben ab. Zurück blieben die teils über zwei Meter hohen Steinröhren, die ihr im Bild sehen könnt.

Vom Parkplatz aus rufen wir noch einmal bei der Helikopter-Fluggesellschaft an. Nein, es hat sich kein weiterer Fluggast gefunden. Aber wir könnten einen Aufpreis von 100 Dollar zahlen und dann auch allein fliegen. Sollen wir das machen? Der Flug ist ohnehin schon brutal teuer – was ich gar nicht wissen dürfte, da er mein Geburtstagsgeschenk war. Nach einigen Diskussionen, in denen ich meinem Schatz das Versprechen abringe, einen Teil des Aufpreises zahlen zu dürfen, bestätigen wir den Flug und fahren zurück nach Hilo. Denn auch der Bootsausflug würde sehr teuer werden und böte keine Lava-Garantie. Und außerdem wollten wir ja mit einem Hubschrauber fliegen …

Zu Mittag essen wir bei Taco Bell, wo ich die Karte falsch lese und anstatt von zwei Burritos drei bekomme. Erst am Ende unseres Mahls fällt mir ein, dass ich vielleicht doch nicht alles hätte essen sollen, in Anbetracht des Abenteuers, das uns gleich bevor steht. Aber wir fliegen ja mit offenen Türen 😉

Hubschrauber-Rundflug

Am Check-In angekommen haben die Damen eine gute Nachricht für uns: wir haben zwei Mitflieger und müssen nicht den Aufpreis zahlen. Juhu! Schatz und ich werden in die zweite Reihe verfrachtet und bekommen damit jeder einen Fensterplatz. Geil! Dann heben wir ab und ich kralle mich an meinem Handlauf fest – als ob das helfen würde, wenn der Sicherheitsgurt aufspringt … Doch nach wenigen Sekunden habe ich viel zu viel zu gucken, als dass ich noch Zeit hätte, mir Sorgen zu machen: die Küste, Macadamia-Plantagen und Lavafelder so weit das Auge reicht. Und dann sehen wir endlich Lava!

hawaii_tag3_2In einem kleinen Krater unter uns fließt sie vorbei. Ich habe jegliches Raumgefühl verloren, da ich auf diesem riesigen Lavafeld keine Anhaltspunkte habe. Der Schatz meint, wir sind rund 300 Meter hoch – und trotzdem spüren wir noch die Hitze, die von der Lava aufsteigt. Wahnsinn!

hawaii_tag3_3Nach einigen Kreisen um das Lavaloch fliegen wir weiter in Richtung Küste und sind heilfroh, dass wir nicht die Bootstour gebucht haben. Zwar dampft es an einigen Stellen gewaltig. Rote Lava sehen wir jedoch nicht. Dann geht es zurück Richtung Hilo, doch die Strecke kommt mir nach den jüngsten Eindrücken sehr langweilig vor. Ein kleiner Kringel über die Rainbow Falls und schwupps sind wir schon wieder auf dem Flugplatz gelandet. Insgesamt hat unser Rundflug nur 45 Minuten gedauert. Aber die Eindrücke reichen für die nächsten Monate.

Wasserfall

hawaii_tag3_4Nachdem wir die Rainbow Falls schon von oben gesehen haben, fahren wir nun noch einmal mit dem Auto vorbei. Ohne die richtige Sonneneinstrahlung sind sie leider „rainbowless“ und wirken recht unspektakulär – vor allem, wenn man die Niagarafälle kennt. 😉 Außerdem streben wir schon wieder einem nächsten, majestätischen Ziel entgegen …

Sonnenuntergang auf dem Berggipfel

Mit unserem SUV erklimmen wir den höchsten Berg der Insel, den Mauna Kea: Ein erloschener Vulkan, 4.205 Meter hoch und Anlaufstätte der besten Astronomen. Nirgendwo sonst auf der Welt soll man einen solch guten Blick ins Weltall haben. Und auch der Sonnenuntergang da oben soll legendär sein.

hawaii_tag3_5Das wollen wir testen und Schatzi bringt unseren Mietwagen an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Denn den vorgeschriebenen Allrad-Antrieb hat der leider nicht und zwischendrin ist auf einmal die geteerte Straße zu Ende und weicht einer Schotterpiste ohne Leitplanke. Trotzdem schaffen wir es, halbwegs unbeschadet oben anzukommen. Ich sage „halbwegs“, weil es mir natürlich auf 4.205 Metern Höhe und 40 Prozent weniger Sauerstoff als normal den Kreislauf wegdreht. Ich bleibe daher erst einmal im Auto sitzen, esse einen Schokoriegel und trinke ganz viel Wasser. Derweil wird es immer dunkler und kälter.

hawaii_tag3_6Die Sonne im Zusammenspiel mit den Farben und Wolken und die außerirdisch anmutenden Observatorien geben diesem Ort etwas Gespenstisches. Aber schön gespenstisch! Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Immerhin hat sich mein Kreislauf an die neuen Umstände gewöhnt und ich kann das Auto verlassen. Doch mit jedem Zentimeter, den die Sonne untergeht wird es kälter. Am Ende dieses Naturschauspiels weiß ich, warum ich das Innenfutter meiner Wetterjacke mitgenommen habe. Doch bei mittlerweile weniger als 0° Celsius bringt mir selbst das nichts mehr. Und so betrachten wir nur kurz die Sterne, bevor wir wieder nach unten fahren.

hawaii_tag3_7Am Besucherzentrum halten wir noch einmal an, denn dort sind viele Teleskope aufgebaut. Wir sehen den Mond in einer Größe, dass ich fast das Hotel aus Frank Schätzings Limit zu erkennen glaube. Ein anderes Teleskop ist auf eine entfernte Galaxis ausgerichtet, was ich in dieser Form auch noch nicht gesehen habe. Doch das Highlight hält ein anderes Teleskop bereit. Der Planet verschwindet jedoch immer aus dem Fokus, so dass der Schatz schnell zum Nachjustierer für alle anwesenden Sternengucker wird. Nach zwanzigfachem Umstellen darf dann auch ich endlich einmal durchsehen. Und was erblicke ich? Den Saturn! Zwar winzig klein, aber tatsächlich mit all seinen Ringen. Das ist der absolute Wahnsinn und für einen kurzen Augenblick schwanke ich, ob ich den Saturn oder die Lava toller finden soll. Ich entscheide mich, beides gleich super zu finden und beseelt fahren wir zurück nach Volcano, wo unser Bett auf uns wartet. Und auch am dritten Tag unserer Reise sind wir noch vor zehn Uhr abends total erschöpft und hundemüde. Aber auch um so viele schöne Eindrücke reicher!

Mein Tagestipp für den Mauna Kea

hawaii_tag3_8Wer sich den Sonnenuntergang auf dem Mauna Kea ansehen will, sollte eines beachten: Das da oben hat nichts mit dem Hawaii zu tun, das man aus Film und Fernsehen kennt! Hier braucht man …

  • ein Auto mit Allrad-Antrieb
  • eine dicke Jacke und Hose
  • ausreichend Essen und Trinken

Außerdem sollte man schnelle Bewegungen vermeiden, in regelmäßigen Zügen atmen und sich nicht zu viel zutrauen.