Neue Impulse fürs Leben (2): Verzicht üben

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In unserer Gesellschaft mangelt es an nichts. Es gibt ausreichend zu essen und zu trinken, Strom fließt aus der Steckdose und selbst das Internet ist immer und überall erreichbar. Es gibt immer alles vorrätig und wir merken gar nicht, wie selbstverständlich das für uns ist. Woanders auf der Welt verhungern oder erfrieren Menschen – und wir sorgen uns, wenn unser Smartphone die neueste App nur langsam lädt. Es wird Zeit, die Dinge wieder in die richtige Perspektive zu rücken. Und das geht am besten durch Verzicht.

Selbstversuch: Drei Monate ohne Alkohol und Süßigkeiten

In den vergangenen Jahren habe ich während der Fastenzeit immer auf Alkohol verzichtet. Das war viel zu einfach und störte mein Befinden nicht im Geringsten. Dieses Jahr musste also etwas Drastischeres kommen. Die Lösung lautete: drei Monate lang keinen Alkohol und keine Süßigkeiten, was auch Kekse und Kuchen einschloss! Etwas blauäugig ließ ich mich auf dieses Experiment ein und begann meinen Selbstversuch am 1. Januar 2013.

Ein Schokoladen-Junkie wie ich übersteht normalerweise keinen einzigen Tag ohne seine Dosis. Entsprechend schwer fiel mir der Abschied von meinen Milka-Tafeln, Schokokeksen und Pralinen. In den ersten Wochen versuchte ich, den Mangel durch Nüsse und getrocknete Beeren auszugleichen. Studentenfutter, leckere Nusskreationen von nu3 und Cranberries waren mir dabei eine große Hilfe. Während dieser Phase probierte ich auch diese neumodischen Goji-Beeren, die ganz tolle A- und B-Vitamine und Eisen liefern sollen. Kann ich niemandem empfehlen, schmecken wie Fuß. Außerdem merkte ich schnell, dass mir diese Taktik mehr Pfunde auf der Waage bescherte. Daher wurde ich dieser Ersatzmittel schnell überdrüssig.

Danach verliefen die restlichen Wochen reibungslos und ich habe insgesamt sogar drei Kilogramm verloren. Der Entzug war überstanden und ich war trotz Schokoladenmangels nicht zickiger als sonst. 😉

Genervt haben nur die Überredungsversuche meiner Mitmenschen: „Ach, iss doch ein Stück Kuchen! Ich sag es auch keinem!“ Was ich persönlich als „konsequent“ bezeichnete, wurde in deren Augen schnell zu „unhöflich“. Doch das war mir egal.

Selbstversuch: Mein Fazit

Die ersten drei Monate des Jahres sind rum und ich darf endlich wieder Schokolade essen und ein Gläschen Sekt trinken. Doch komischerweise habe ich gar keine soooo große Lust darauf. Ich hätte schwören können, dass ich gleich am ersten Tag über meine Vorräte herfallen würde. Doch der große Heißhunger blieb aus. Bin ich bescheidener geworden? Kurzfristig vielleicht. Jedoch fürchte ich, dass ich langfristig wieder in meine alten Verhaltensmuster fallen werde: Appetit auf Schokolade – Gang an das Schokoladen-Schubfach – Nachschub organisieren im Supermarkt. Und alles ohne großartig nachzudenken.

Daher habe ich beschlossen, von nun an regelmäßig Verzicht zu üben. Vielleicht nicht immer nur bei Schokolade, denn man kann ja auf so viel verzichten: Fleisch, Handy, Fernsehen, Fertigprodukte, Online-Einkäufe usw. Wenn man merkt, was einem fehlt, schätzt und genießt man es umso mehr, wenn man es wieder hat.


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