Moral und Ethik im Geschäftsleben – wo sind sie geblieben?

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Spitzenqualität zu einem Dumping-Preis. Lieferung am besten vorgestern und dafür einen extra Rabatt für den Kunden. Ein Zahlungsziel von 90 Tagen – das dann noch einmal bis zur zweiten Mahnung ausgereizt wird. Egal wohin man schaut: Überall klagen Betriebe und Dienstleister über schlechte Zahlungsmoral und Geschäftsethik. War das schon immer so? Oder sind wir tatsächlich ein Land von Schnorrern und krummen Hunden geworden?

Zuerst erstellt man eine detaillierte Planung, dann bekommt man die Absage mit der Begründung, dass die Chinesen das auf Grundlage dieser Planung 20 Prozent billiger machen. Nachdem dann alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen konnte, kriechen die Kunden wieder an und verhandeln noch einmal nach. Man erledigt alles in Rekordzeit zu einem super Preis in einer Spitzenqualität – und rennt dann ein geschlagenes Jahr seinem Geld hinterher.

Nein, das ist keine apokalyptische Zukunftsvision á la George Orwell. Das ist Alltag in deutschen Unternehmen. Qualität, individuelle Beratung und Rund-um-Service wollen sie alle haben; doch (anständig) zahlen will dafür niemand mehr.

Da bekommt man einen Auftrag für eine genau definierte Leistung. Während man diese Leistung erbringt, fällt dem Kunden ein, dass er auch noch gerne dies, das und jenes hätte. Bis zu einem gewissen Punkt spielt man das Spielchen mit, schließlich will man sich den Kunden nicht vergraulen. Doch irgendwann rutscht man mit seinem Stundenhonorar in den Niedriglohnsektor und erdreistet sich, dem Treiben Einhalt gebieten zu wollen. Da wird der Kunde bockig und zahlt einfach gar nicht mehr. An dieser Stelle kommen die Anwälte ins Spiel und man macht drei Kreuze, wenn man den Kunden endlich los ist, den man zuvor nicht verlieren wollte.

Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu! Wäre unser aller Leben nicht sehr viel einfacher, wenn wir nach diesen weisen Worten handeln würden? Wir arbeiten alle hart und müssen alle irgendwie über die Runden kommen. Daher lautet mein frommer Wunsch und Tipp für die restliche Arbeitswoche: Leben und leben lassen!