Les Misérables: Aus dezentem Interesse wird pure Begeisterung

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Vergangenen Freitag wollte ich mal schauen, ob die Oscar-Jury denn Recht hatte, „Les Misérables“ drei der Goldmännlein zuzusprechen. Immerhin soll der Film mit dem besten Make-up und Hair-Styling und dem besten Ton aufwarten. Auch Nebendarstellerin Anne Hathaway wurde mit einem Oscar geehrt. Ich wusste weder, was mich inhaltlich erwartete, noch kannte ich ein einziges Lied. So ging ich äußerst unbedarft ins Kino hinein – und kam als „Les Misérables“-Fan wieder heraus.

Der Inhalt von „Les Misérables“

Jean Valjean (Hugh Jackman) ist ein ehemaliger Sträfling, der nach seiner Haft versucht, an sein altes Leben anzuknüpfen. Doch kann er seiner Vergangenheit nicht entfliehen und beschließt daher unterzutauchen und unter einem neuen Namen neu anzufangen. Einige Jahre geht das gut und er wird ein respektabler, reicher Mann. Doch eines Tages trifft er auf seinen ehemaligen Aufseher, Inspektor Javert (Russell Crowe). Die Ereignisse überschlagen sich: er versucht zu fliehen und gleichzeitig seiner ehemaligen Arbeiterin Fantine zu helfen (Anne Hathaway). Nach ihrem Rauswurf muss diese nun als Prostituierte ihr Geld verdienen, um ihre Tochter durchzubringen. Auf seiner Flucht nimmt er ihre Tochter Cosette zu sich. Den beiden gelingt es unterzutauchen – doch nur wenige Jahre später kreuzen sich die Wege Valjeans und Javerts erneut. Cosette (Amanda Seyfried) ist mittlerweile eine schöne, junge Frau, die sich in den Studenten Marius verliebt (Eddie Redmayne). Zusammen mit seinen Freunden bereitet dieser den Juniaufstand im Jahr 1832 vor, der über das Schicksal aller Beteiligten entscheiden wird.

Meine Meinung über „Les Misérables“

Mein einziger Kritikpunkt an „Les Misérables“ ist der nervige deutsche Untertitel, der es mir zunächst unmöglich machte, mich auf die wunderbare Musik und die tollen schauspielerischen Leistungen einzulassen. Zu verführerisch war es, meine eigene Übersetzung noch einmal mit den Worten am unteren Bildrand abzugleichen. Aus diesem Grund war ich bereits zur Hälfte des zweieinhalb Stunden langen Epos extrem erschöpft.

Doch kann der Film nichts dafür, dass man ihn durch einen Untertitel verhunzt – und ich bereitwillig in diese Falle tappe. Denn „Les Misérables“ ist ein bildgewaltiges Meisterwerk, das mich auch gesanglich überzeugt hat. Sicherlich hat Anne Hathaway den einen oder anderen Ton nicht ganz getroffen, doch ist dies der aufopfernden Darstellung ihrer Rolle geschuldet. Wer kann denn bitte astrein singen, wenn er inbrünstig sein verpfuschtes Leben beweint?

Nein, an „Les Misérables“ ist einfach alles toll: die Schauspieler und ihre Darstellungen, die Kostüme und die Kulisse, der Gesang und die herzzerreißende Geschichte. Ich war so begeistert, dass ich mir noch am selben Abend die Musik herunterlud und sie noch einmal vorm Zubettgehen hörte; inzwischen kann ich die meisten Lieder mitsingen. Und wenn „Les Misérables“ am 30. Dezember 2013 auf DVD herauskommt, werde ich mir den Film sofort holen – und ohne Untertitel noch einmal richtig genießen.

Der Trailer zu „Les Misérables“


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