Warum muss man immer erst böse werden?

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Neulich hatte ich wieder einmal eine Begegnung der dritten Art. Und wieder lernte ich, dass einen keiner für voll nimmt, wenn man Dinge nett und freundlich regeln will. Man muss immer erst böse werden, mit Veröffentlichung und Gerichten drohen, dann kommt man zu seinem Recht. Das ist doch beschi…!

Der Sachverhalt: Im März 2010 bin ich aus meiner alten Wohnung ausgezogen. Zuvor hatte ich mich anderthalb Jahre mit meinem Mieter herumgestritten, der das Dach nicht reparieren und den Schimmel nicht beseitigen wollte. Meine Mietkürzungen nahm er widerspruchslos hin und da ich davon ausgehen musste, dass ich meine Kaution wohl niemals wiedersehen würde, behielt ich sie am Ende der Mietzeit einfach ein. Jedoch bestätigte ich meinem Vermieter in meiner Kündigung, dass er sie sich vom Kautionssparbuch holen könne. Am 8. November 2010 tat er das auch – der Betrag wurde ihm gutgeschrieben und ich wollte dieses leidige Kapitel nun endlich abschließen. Doch man ließ mich nicht.

Anfang 2011 wurde ich bei meiner Bank vorstellig und wollte das Konto auflösen. „Das geht nicht, dafür brauchen wir das Sparbuch!“ Mein Hinweis, dass das Sparbuch schon längst bei der Bank vorliegt, wurde ignoriert. Also musste ich mich wieder mit meinem Ex-Vermieter herumschlagen – und es dauerte nur elf weitere Monate, bis der mir endlich das Schreiben weiterleitete, dass er ein Jahr zuvor an meine Bank gesandt hatte. Hierin stand geschrieben: „Anbei erhalten Sie das Kautionssparbuch mit der Verfügung zur Auflösung.“ Aha! Also wackelte ich wieder zu meiner Bank. Nun sollte es ja wohl kein Problem mehr sein, dieses doofe Sparbuch aufzulösen. Dachte ich. Der inkompetente Mensch hinterm Schalter weigerte sich jedoch beharrlich: „Wenn ich kein Sparbuch habe, kann ich nichts auflösen!“ Ein astreiner Beweis dafür, dass Darwin doch Unrecht hatte…

Immerhin ließ er sich dazu herab, einen Antrag in die entsprechende Abteilung zu schicken. Das Schreiben heftet er an, so dass ich schon auf ein gutes, schnelles Ende hoffte. Doch am 18. Juli 2012 erhielt ich einen Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, dass das Konto nur aufgelöst werden kann, wenn ich ihnen das Sparbuch vorlege. Und exakt an dieser Stelle platzte mir der Kragen:

Sehr geehrte Frau XXX,

mit einiger Verwunderung habe ich das Schreiben des „Teams Kontoführung“ vom 18.07.12 erhalten. In diesem werde ich erneut aufgefordert, das oben genannte Sparbuch einzureichen, damit das entsprechende Konto gelöscht werden kann.

Wie bereits mehrfach ausgeführt, befindet sich das Sparbuch nicht in meinem Besitz. Mein ehemaliger Vermieter hat es der XXX in seinem Schreiben vom 08.11.10 zusammen mit der Auflösungsverfügung zugesandt (s. Anlage). Da Ihr Institut seinem Ansinnen entsprochen und die Mietkaution auf sein Konto überwiesen hat, kann ich wohl davon ausgehen, dass das Schreiben mit samt Verfügung und Sparbuch bei Ihnen eigegangen ist. Daher kann ich nicht nachvollziehen, warum meinem Wunsch einer Auflösung des Kontos nun schon zum dritten Mal nicht entsprochen wird.

Wie Sie dem Schreiben erneut entnehmen können, befindet sich das Sparbuch bereits in Ihrem Hause. Ob in einer Ablage, einem Mülleimer oder als Wackelstopp unter einem Schreibtisch, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Was ich jedoch sicher weiß, ist, dass meine Geduld am Ende ist.

Mit diesem Schreiben gebe ich Ihnen nun ein letztes Mal Gelegenheit, das Konto aufzulösen – und zwar umgehend! Wenn Sie in Ihrem Hause Dokumente verschludern, kann das schwerlich mein Problem sein. Sollten Sie es jedoch zu meinem Problem machen wollen, können Sie versichert sein, diesen Vorfall in den Medien oder vor Gericht wiederzufinden.

Mit freundlichen Grüßen

Was soll ich sagen: Es dauerte keine zwei Wochen und das Konto war aufgelöst! Aber warum muss man immer erst böse werden?