„Der Vorleser“ als Film: Kann man sehen, muss man aber nicht

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Gestern schrieb ich, dass Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ ein Muss für jede Leseratte ist. Heute widme ich mich der Verfilmung dieses Stoffes – und muss leider feststellen, dass dieser für Filmfans maximal ein Kann ist.

Als ich hörte, dass „Der Vorleser“ verfilmt wurde, freute ich mich. Denn was sollte schon schieflaufen bei dieser Vorlage und den angekündigten Stars? Kate Winslet als Hanna Schmitz, David Kross als junger und Ralph Fiennes als erwachsener Michael Berg. Eine erstklassige Besetzung und jeder von ihnen füllte seine Rolle wunderbar aus. Gegen die schauspielerischen Leistungen kann ich überhaupt nichts sagen. Doch entscheiden diese leider nicht allein darüber, ob aus einem Film ein guter Film wird.

Obwohl sich Drehbuch und Regie eng an der Romanvorlage bewegen, wollte bei mir einfach nicht der Funke überspringen. Der Film fesselte mich nicht einmal ansatzweise so stark wie das Buch. Ich schreibe das vor allem zwei Fehlern zu, die mich höllisch störten. Zum einen wurde der Schauplatz der Liebesgeschichte kurzerhand und grundlos nach Neustadt verlegt. Das ist vielen Zuschauern wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen. Aber als Mensch, der in der Rhein-Neckar-Region zu Hause ist und sich dort mit den Schauplätzen, Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln auskennt, fühlt man sich beraubt. Beraubt, weil sich die Geschichte eigentlich zwischen Schwetzingen und Heidelberg abspielt, man jedoch um jeglichen Wiedererkennungswert betrogen wird. Zumal auch von Neustadt nichts zu erkennen ist – denn hier wurde auch nicht gedreht. Schwachsinn!

Der zweite Fehler ist sogar noch grausiger als der erste. Hanna Schmitz ist eine Deutsche, Michael Berg ein Deutscher und die Geschichte spielt in Deutschland. Doch wieso in Gottes Namen lesen sie Bücher, die in englischer Schrift geschrieben sind? Das ist ein Fehler, der meiner Ansicht nach nicht durch englische Produzenten und Schauspieler entschuldigt werden kann. Wer so viel Ignoranz an den Tag legt, verdient es nicht, mehr als drei Sterne zu bekommen – schauspielerische Glanzleistungen hin oder her.


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