Sind diese Feigen frisch?

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Immer wieder gibt es Situationen, in denen schöne Wörter sinnfremd verwendet werden. So sprechen Politiker andauernd von Reformen, die in Wahrheit nur Flickschustereien sind. Jeder Bäcker bezeichnet sich als innovativ – und weiß wahrscheinlich nicht einmal, was er damit sagen will. Und neulich beim Einkaufen entdeckten meine lieben Eltern eine besonders dreiste Sinnentfremdung.

Sicherlich ist der Begriff „frisch“ Definitionssache. Alte Omas werden gerne als frisch bezeichnet, wenn sie sich mit ihren 98 Jahren noch aufs Fahrrad schwingen. Im Vergleich zu einer 20-Jährigen ist diese Frische jedoch relativ. Ebenso unser persönliches Empfinden von Wärme und Kälte. Während ich mir einen Pulli überziehe, weil es abends etwas zu frisch für mich wird, fächert sich mein Freund Luft zu, weil ihm warm ist.

Bei Obst und Gemüse haben wir allerdings eine ziemlich genaue Vorstellung von Frische: knackig und farbenfroh muss es sein, einen angenehmen Geruch verströmen und selbstverständlich saftig schmecken. Niemand würde wohl auf die Idee kommen, ein Obst als frisch zu bezeichnen, nur weil es nicht aus der Dose kommt, oder?

Naja, niemand außer der Supermarkt unseres Misstrauens. Die weiße Schicht mag ein Zeichen von Reife sein, die verschrumpelte Haut und die insgesamt eingefallene Frucht jedoch wohl weniger…

 

Sicherlich ist es eine gute Sache, Waren zum Kauf anzubieten, die nicht mehr ganz so frisch sind (Stichwort: Taste the waste). Der Verkaufserfolg wäre jedoch größer, wenn man diese Ware kennzeichnen und nicht den vollen Preis verlangen würde.