DVD-Kritik: Sherlock Holmes spielt im Schatten

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Den Titel meiner heutigen Filmkritik dürft ihr gerne doppeldeutig verstehen: Zum einen heißt der zweite Teil der Sherlock-Holmes-Verfilmung von Guy Ritchie tatsächlich „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“. Zum anderen stehen die Geschichte und die Umsetzung im Schatten – und zwar im Schatten des supergenialen ersten Teils.

Der erste „Sherlock Holmes“ von Guy Ritchie hat mich provoziert. Als Fan des original englischen Krimis boykottierte ich den Film zunächst, da er mir nichts mit der Literaturvorlage gemein zu haben schien. Doch meine Eltern kauften die DVD und einer kostenlosen Kostprobe konnte ich dann doch nicht widerstehen. Meine Reaktion überraschte mich, denn ich war durch und durch begeistert. Die völlig neuartige, Guy-Ritchie-typische, filmische Umsetzung des Detektiv-Genies verband den alten britischen Geist mit der Actionlust der heutigen Generation. Robert Downey jr. als Sherlock Holmes und Jude Law als Dr. Watson waren zudem die bestmögliche Besetzung dieser beiden Rollen. Kurzum: Ich war hellauf begeistert und freute mich auf den zweiten Teil!

Es kam, wie es kommen musste: „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ gefiel mir nur noch halb so gut wie der erste Teil. Zum einen ist das sicherlich meinen überhöhten Erwartungen zuzuschreiben. Zum anderen denke ich, dass bei „Spiel im Schatten“ einfach zu viel Pulver verschossen wurde. Holmes reist mit Watson durch halb Europa und jagt seinen größten Widersacher Professor James Moriarty. Sie treffen aufeinander und es kommt sogar zum großen Showdown. Das ist meiner Ansicht nach zu viel des Guten für den zweiten Teil einer Literaturverfilmung, in der doch sicherlich noch ein paar Teile zu erwarten sind. Warum musste Holmes schon jetzt auf Moriarty treffen? In der Literaturvorlage ist Moriarty doch lange Zeit eher ein dunkler Schatten im Hintergrund, als eine tatsächliche Bedrohung.

Ein weiterer Minuspunkt von „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ ist, dass der Film einfach zu actionreich ist. Ständig gibt es Verfolgungsjagden und Explosionen – und dabei bleibt die klassische Deduktion auf der Strecke, für die Sherlock Holmes berühmt ist. Der erste Teil lieferte eine gelungene Mischung aus Kopf- und Handarbeit. Der zweite Teil ist leider fast nur noch Bum-Bum-Bum. Interessantes und kurzeiliges Bum-Bum-Bum, keine Frage! Aber doch ein bisschen zu wenig Hirn für einen Fan des klassischen, englischen Krimis wie mich.

Mein Fazit

„Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ ist ein kurzweiliger Film für Fans des gepflegten Action-Popcorn-Kinos. Die Story ist rasant und spannend, der Humor ebenso unaufdringlich wie im ersten Teil. Krimi-Fans dürften hingegen enttäuscht werden, wenn sie auf brillante Hirnakrobatik des Helden Sherlock Holmes hoffen.


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