Lese-Tipp für Frühlingsgefühle: „Stolz & Vorurteil“ von Jane Austen

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Jane Austens bekanntestem Roman „Stolz und Vorurteil“ wird gerne nachgesagt, dass er vor allem etwas für pubertierende, zickige und kichernde Mädchen sei. Auch ich hielt mich aufgrund dieser Kritiken lange Zeit von dem Buch fern. Erst vor Kurzem überwand ich mich. Schließlich handelt es sich um Weltliteratur! Um die Sache etwas intellektueller zu gestalten, kaufte ich mir die englische Ausgabe – und bereute es nach nur zwei Seiten.

Das Thema von „Stolz und Vorurteil“ mag etwas einfacher gestrickt sein: Junge Mädchen spielen Ringelrein, verlieben sich, kichern immerfort, werden rot und tuscheln verschwörerisch. Zarte Bande werden geknüpft und erste Intrigen bedrohen das junge Glück. Die Wirrungen des Erwachsenwerdens nehmen sicherlich einen großen Teil des Buches ein. Doch obwohl mir die Lebensweise und die schwülstigen Gesten und Ausdrücke des frühen 19. Jahrhunderts teilweise fremdartig und ungelenk erschienen, empfand ich sie zu keiner Zeit lächerlich oder nervig. Zu sehr faszinierten mich die gesellschaftlichen Spannungen, die sich hinter diesen verbargen.

Weibliche Nachfahren waren zu dieser Zeit nichts wert. Sie mussten hübsch aussehen und gut verheiratet werden. Eine gute Heirat machte nicht nur die Eltern stolz, sondern entband sie von ihren Sorgen um die Tochter. Denn diese erbte meist nichts, wenn der Vater starb. Im Mittelpunkt des Romans „Stolz und Vorurteil“ steht die Familie Bennet. Bei dieser ist der Heiratsdruck umso größer, da das Ehepaar stolze fünf Töchter vorweisen kann – jedoch keinen einzigen Sohn. Wenn der Vater eines Tages sterben sollte, fiele das gesamte Erbe einem Cousin zu. Und so hängt nicht nur der gesellschaftliche Stand der Kinder von einer guten Heirat ab, sondern auch der der Mutter. Entsprechend hoch sind die Erwartungen und der Druck.

Die Hauptfigur Elizabeth Bennet will sich diesem Druck jedoch nicht unterwerfen. Sie ist emanzipiert und stolz und lehnt sogar den Antrag des Cousins ab, der das Fortbestehen ihrer Familie hätte sichern können – sehr zum Missfallen ihrer furchtbar nervigen und überdrehten Mutter. Und statt sich dem steinreichen, adeligen und ebenfalls sehr stolzen Mr. Darcy gefällig zu machen, reizt sie ihn mit ihren Bemerkungen und Sticheleien bis aufs Blut. Unnötig zu sagen, dass es genau diese beiden sind, die das wohl romantischste Liebespaar der Literaturgeschichte werden.

Fazit

„Stolz und Vorurteil“ ist ein wunderbar vielseitiges Buch: In der einen Minute ist man noch vor Romantik gerührt, in der nächsten schimpft man trotzig auf das andere Geschlecht. Gesellschaftskritik, Missverständnisse, Intrigen, Freundschaft und Liebe schaffen ein Wechselbad der Gefühle und machen „Stolz und Vorurteil“ zu einen der emotionalsten Bücher, die ich je gelesen habe. Allerdings würde ich niemandem empfehlen, es auf Englisch zu lesen. Obwohl ich gefesselt war, habe ich teilweise zwanzig Minuten für eine Seite gebraucht – die Wörter waren mir bekannt, aber die Satzstellung hat es wirklich in sich. Ein guter Mittelweg könnte allerdings die zweisprachige Ausgabe (Stolz und Vorurteil/Pride and Prejudice) sein.


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