Erwachsen werden mit Otfried Preußlers „Krabat“

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Als Kind habe ich ihn mehrfach verschlungen, den „Krabat“ von Otfried Preußler. Neulich packte es mich wieder. Ich wollte herausfinden, ob es wirklich nur ein Kinderbuch ist. Oder ob es auch Erwachsene fesseln und mitreißen kann. Ein Selbstversuch nach 20 Jahren.

Der Inhalt des „Krabat“

Krabat ist ein Betteljunge, der eines Nachts einen finsteren Traum hat. Raben rufen ihn in die Mühle im Koselbruch. Dort soll er eine Ausbildung zum Müllergesellen antreten. Krabat folgt dem Ruf und lernt bald, nicht nur Korn zu mahlen. Der finstere Meister unterweist seine Lehrlinge auch in die Schwarzen Künste. Dafür schulden sie ihm Gehorsam bis in den Tod – was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn jede Silvesternacht muss einer von ihnen sterben. Erst zu spät durchschaut Krabat das schaurige Spiel. Er will den tödlichen Kreislauf durchbrechen. Doch das kann er nicht allein.

Meine Meinung zum „Krabat“

Otfried Preußler gelang mit „Krabat“ ein zeitloses Werk, das große Kinder auch noch in Jahrzehnten fesseln wird. Wer eine Zauberer-Geschichte wie Harry Potter erwartet, wird bitter enttäuscht. „Krabat“ ist sehr viel düsterer und bewegender. Obwohl als Kinder- und Jugendbuch deklariert, fehlen ihm alle kindlichen verspielten Elemente. Die Handlung ist grausam. Jedoch fand Otfried Preußler eine Sprache, die der Aussage etwas an Schärfe nimmt.

Diese Sprache und der Erzählstil sind es, die „Krabat“ zu einem Jugendbuch machen. Der junge Leser bewegt sich mit diesem Buch auf neues Terrain – weg von Astrid Lindgren und Erich Kästner, hin zur Erwachsenenliteratur. „Krabat“ verbindet eine erwachsene Handlung mit einem Erzählstil, der nicht mehr kindlich und noch nicht erwachsen ist. Damit ist das Buch perfekt für junge Leute, die irgendwo zwischen Kind und Pubertät stehen.

Für den erwachsenen Leser bietet „Krabat“ eine angenehme Lektüre, die jedoch nicht weiter in Erinnerung bleiben dürfte. Dafür haben wir uns im Laufe der Jahre einfach zu sehr an Stieg Larsson u. ä. gewöhnt. Wir wurden mit Reizen überflutet und sind kaum noch in der Lage, den subtilen Schauder wahrzunehmen, den das Buch bereitet. Daher werden viele Erwachsene „Krabat“ als Kinderbuch abtun. Ganz nett, aber nicht spektakulär.

Ich hingegen erlebte beim erneuten Lesen eine Zeitreise und war wieder so fasziniert wie schon vor 20 Jahren. Das war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass ich den „Krabat“ gelesen habe!


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