Alles hat ein Ende: „Agent 6“ von Tom Rob Smith

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Kind 44“ war ein Geniestreich! „Kolyma“ war eine gelungene Fortsetzung, auch wenn ich persönlich sie etwas schwächer fand. Nun hat Tom Rob Smith die Saga um den KGB-Agenten Leo Demidow abgeschlossen. „Agent 6“ wurde im vergangenen September veröffentlicht – und gestern Abend bin ich endlich mit Lesen fertig geworden. Das sagt leider sehr viel über die Qualität des dritten Teils aus.

Im letzten Teil der Reihe verschlägt es Frau und Kinder des Helden Leo Demidow in die USA. Bei einem Freundschaftskonzert mit den Gastgebern geraten die drei zwischen die Mühlen des sowjetischen und des US-Geheimdienstes. Ereignisse nehmen ihren Lauf, die das Leben der Familie für immer verändern werden.

Was als unterhaltsame und spannende Analyse der Geheimdienste in Zeiten des Kalten Kriegs beginnt, führt auf Seite 223 zum einzigen Höhepunkt des Buches. Schade ist nur, dass danach noch 316 Seiten folgen. Die eigentliche Handlung findet auf Seite 223 ein abruptes Ende. Der Leser liest dennoch weiter, weil er weiß, dass sich der Kreis irgendwann schließen wird. Auf den letzten 80 Seiten bekommt er diesen Wunsch erfüllt – doch leider äußerst unzureichend. Die „Auflösung“ des Falles liefert keinerlei Neuigkeiten. Das Ende kommt schnell, schnell und lässt den Leser zurück mit der Frage: „Und das soll nun alles gewesen sein?“

Kind 44“ und „Kolyma“ waren durch und durch spannend. Bei diesen beiden Büchern musste ich einfach weiterlesen. Ich wollte wissen, was auf der nächsten Seite passiert. Jeder Absatz war wichtig und interessant. „Agent 6“ habe ich auch weitergelesen, doch meine Motivation war eine andere. Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass der erste Teil der Handlung so schnell vorbei sein sollte. Da musste doch noch etwas kommen? Einen wichtigen Teil hat uns der Autor bestimmt vorenthalten! Am Ende folgt der Knaller, ich weiß es genau! Doch der Knaller blieb aus.

Der Autor verrennt sich in Erzählungen und Schilderungen, die mit der ursprünglichen Handlung nichts mehr zu tun haben. Tom Rob Smith wäre meiner Ansicht nach besser beraten gewesen, aus „Agent 6“ zwei Bücher zu machen. Denn die Schilderungen im Mittelteil sind interessant – aber leider passen sie überhaupt nicht zum Rest des Buches.

Für sich allein betrachtet ist „Agent 6“ vielleicht gar nicht so schlecht. Doch mit seinen Vorgängern „Kind 44“ und „Kolyma“ kann er einfach nicht mithalten!


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