Eine Gesellschaft in Schieflage?

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Jahresende – Jahresrückblicke. Jauch und Hape haben schon, viele andere werden folgen. Sie präsentieren uns die Menschen, Bilder und Schicksale des vergangenen Jahres. Und ich sitze kopfschüttelnd vorm Fernseher. Normalerweise bekommen wir die Schieflage unserer Gesellschaft in kleinen Portionen serviert. Doch beim Jahresrückblick gibt es quasi ein Best of. Und ich stelle mir viele Fragen, auf die ich einfach keine Antwort finden kann.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, eine Bemerkung vorweg: Ich will keinesfalls die persönlichen Leistungen oder Schicksale manch erwähnter Personen geringschätzen oder abwerten. Ich stelle lediglich die Wertung der Gesellschaft und Medien sowie die Relation zum großen Ganzen in Frage.

  • Ist in den Augen der deutschen Fernsehzuschauer die Heldentat von Marcel Gleffe auf der Insel Utøya tatsächlich genauso viel Wert wie das Comeback der Ulknudel Gabi Köster?
  • Warum bekommen beide vom Jauch-Publikum stehende Ovationen?
  • Und warum ehrt man Ameneh Bahrami nicht mit dem gleichen Respekt?
  • Weil sie blind ist und es sowieso nichts sieht?
  • Oder weil menschliche Größe heutzutage nichts mehr zählt?
  • Warum ist das selbstverschuldete Schicksal des Samuel Koch heute immer noch ein Thema?
  • Wieso wird er als leuchtendes Beispiel gefeiert, während Menschen mit ähnlichem Schicksal ins Abseits gedrängt werden?
  • Warum wird sein hausgemachtes Leid in den Medien tragischer dargestellt als das der Menschen, die unverschuldet verletzt wurden?
  • Sollte man Landtagswahlkämpfe in Deutschland auf dem Rücken von mehr als 10.000 toten Japanern austragen?
  • Sollten Medien innenpolitische Debatten schwerer gewichten als humanitäre Katastrophen außerhalb Deutschlands?
  • Dürfen deutsche Politiker menschliche Schicksale für eigene kleinkarierte Grabenkämpfe missbrauchen?
  • Sieht tatsächlich kein einziger Politiker in Deutschland, dass das Land auf einen finanziellen Infarkt zusteuert?
  • Warum bezeichnet man unnötige und nutzlose Korrekturen als „Reform“ anstatt tatsächlich einmal aufzuräumen?
  • Wer hat eigentlich bestimmt, dass in Deutschland nur Berufspolitiker etwas zu sagen haben?
  • Warum kann man nicht Menschen Verantwortung übertragen, die tatsächlich Ahnung von einem Thema haben?
  • Warum darf die Regierung mehr Geld ausgeben als sie einnimmt?
  • Wie kann man guten Gewissens fordern, dass Leistungsträger schlechter gestellt werden als Leistungsempfänger?
  • Warum gibt es Menschen in diesem Land, die von Hartz IV nicht leben können – und andere, die sich mit Hartz IV ein fettes Leben machen?
  • Darf es einen Unterschied machen, aus welcher Gesinnung heraus ein Mord geschieht?
  • Sollten wir nicht alle Gewaltopfer gleich betrauern – egal ob Opfer linker, rechter, islamistischer oder anderer Gewalt?
  • Ist nicht jedes Menschenleben unantastbar und unendlich viel wert?
  • Sind die Menschen wirklich so verroht, dass sie gerne jedes Detail einer U-Bahn-Schlägerei sehen wollen?
  • Wenn nein, warum bekommen wir dann diese schrecklichen Bilder gezeigt?
  • Wenn ja, sollten Medien dieser Sensationsgier nachkommen?
  • Oder sollten sie sich auf Werte wie Menschlichkeit und Respekt besinnen?


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