Türsteher – die etwas andere Sorte Mensch

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Neulich habe ich wieder einmal eine Disco von innen gesehen. Meine wilden Zeiten sind längst vorbei, doch ein Redaktionstermin führte mich in einen Club. Nachdem ich mir meine Notizen gemacht hatte, wollte ich nach Hause. Doch, oh Schreck, ich hatte keine Verzehrkarte…

Beim Einlass hatte ich keine Karte erhalten. Mit meinem „Ich komme von der Zeitung“ hatte ich den normalen Geschäftsbetrieb komplett überfordert – weshalb niemand mehr an die Verzehrkarte dachte. Beim Gehen wurde ich dann zurückgehalten, denn ich konnte keine Karte vorweisen. Alle Beteuerungen des Veranstalters, dass ich gar nichts verzehrt hatte, nützten nichts: Der Türsteher wurde gerufen, denn nur der durfte die Sache entscheiden.

Da kam er nun also: solariumgebräunt, muskelbepackt, im viel zu knappen T-Shirt. Freundliche Begrüßung: Fehlanzeige! Brave Journalistin wie ich nun einmal bin, erklärte ich ihm die Situation. Auch der Veranstalter beteuerte meine Unschuld. Doch der hatte nicht viel zu melden, er hatte den Club nur gemietet. Ich wartete ab. Wurde von oben bis unten gemustert. Jeans, T-Shirt und Ballerina stießen dabei auf wenig Gegenliebe. Also wurde ich böse angefunkelt. Und schließlich mit einem Augen-Verdrehen freigesprochen: „Also gut, dann will ich heute ausnahmsweise mal ein Auge zudrücken. Aber das nächste Mal passt du auf, dass du eine Karte bekommst.“ Das alles mit einer Stimme, mit der man gut und gerne auch Morddrohungen aussprechen könnte.

Ich möchte nicht alle Türsteher über einen Kamm scheren. Ein paar sind bestimmt intelligent und finanzieren nur ihr Studium. Aber der Großteil ist leider genauso, wie man ihn aus Erzählungen kennt: „Ey, du kummsch hier net rein!“

Nach Begegnungen wie diesen frage mich jedes Mal, wo diese Menschen ihr Selbstbewusstsein hernehmen? Sie sind Türsteher, mein Gott! Für diesen Job braucht man keinen Abschluss, kein Talent, kein Hirn. Jeans bleibt draußen, Anzug darf rein. Turnschuhe bleiben draußen, schicke Schuhe dürfen rein. Betrunkene bleiben draußen, vollbusige Blondinen dürfen rein – selbst in Jeans und Turnschuhen! Dafür muss man nicht besonders helle sein. Und trotzdem spielen sich diese Männlein auf, als beherrschten sie die Erde.

Ich finde das bemerkenswert. Noch bemerkenswerter finde ich jedoch, dass sich erfolgreiche, intelligente Menschen von diesen Türstehern unterbuttern lassen. Da entschuldigen sich Anwälte für ihr Outfit und versuchen, sich die aufgepumpten Halbaffen zum Freund zu machen. Die Weiber flirten sich ins Koma, nur um die Schwelle eines Clubs passieren zu können. Selbst wenn man sie beleidigt, weil sie keine Modellmaße haben, lachen sie über die fiesen Attacken des Türstehers. Hauptsache sie kommen rein!

Ganz ehrlich: Welcher halbwegs gebildete Mensch hat es nötig, sich so behandeln zu lassen? Da gehe ich doch lieber gemütlich etwas trinken oder in einen anderen Club, bevor ich mich für meine Klamotten oder meinen Haarschnitt rechtfertige. Und wenn jeder so handeln würde, würden selbst unsere lieben Türsteher-Freunde ratz-fatz begreifen, wer eigentlich das Sagen hat. Schließlich sind wir der Grund, dass sie überhaupt einen Job haben. Und wenn wir lieber woanders hingehen, sitzen sie auf der Straße. Dann können sie man testen, wie es sich anfühlt, nicht reingelassen zu werden.