„The King’s Speech“ – Historienkino ohne Staub und Pathos

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Gleich eines vorweg: Ich mag englische Filme! Nicht nur die Krimis, auch Komödien, Literaturverfilmungen und so weiter. Englische Filme finde ich generell besser als amerikanische. Und „The King’s Speech“ hat mir einen der Gründe dafür wieder ganz deutlich vor Augen geführt: Englische Filme sind authentischer, denn sie verzichten meist auf Selbstbeweihräucherung und übertriebenes Pathos.

König George VI. (Colin Firth) war für die Engländer ein großer Mann. Er war der König, der sie durch den zweiten Weltkrieg führte. Selbst bei den Bombenangriffen auf London weigerte er sich, die Stadt zu verlassen und stand seinem Volk bei. Und welchen dieser glorreichen Aspekte behandelt der Film? Keinen! Der Film „The King’s Speech“ widmet sich seinem größten Fehler, seinem Stottern! Denn König George VI. war ein unsicherer, schüchterner Stotterer, der niemals König werden wollte. Der Film beschreibt seinen Weg auf den Thron und die Qualen, die er auf diesem erleiden musste. Dabei drückt er nicht auf die Tränendrüse. Ebenso verzichtet er auf Glanz und Glorie des britischen Empire. König George VI. ist in diesem Film ein gewöhnlicher Mann, den seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) und sein Sprachtherapeut Lionel Logue (Geoffrey Rush) „Bertie“ nennen.

Die Geschichte ist nicht besonders dramatisch. Wenn es sich nicht gerade um einen englischen Monarchen handelte, könnte man sie als „belanglos“ einstufen. Aber die Erzählweise und die Darstellung machen „The King’s Speech“ zu etwas Besonderem. Allem voran die drei Hauptdarsteller Colin Firth, Helena Bonham Carter und Geoffrey Rush. Colin Firth hat seinen Oscar zu 100 Prozent verdient, denn die Unsicherheit und Traurigkeit von König George VI. sind ihm in jeder Sekunde des Films anzumerken. Die sonst so schrill-schräge Helena Bonham Carter brilliert in ihrer seriösen und dennoch witzigen Rolle als junge Queen Mom. Und an Geoffrey Rushs wilde Zeiten als Captain Barbossa (Fluch der Karibik) erinnert allenfalls seine markante Nase, denn der Rest ist durch und durch australischer Gentleman.

Aber einen Kritikpunkt habe ich doch: Wer hat denn bitte Timothy Spall für die Rolle des Winston Churchill vorgeschlagen? Wie kann man jemanden einen so bedeutenden Mann spielen lassen, der vorher die fiese Ratte „Krätze“ bei Harry Potter war? Mein Respekt war wie weggeblasen, als ich den Schauspieler wiedererkannte. Da kann man ja gleich eine Filmbiografie von Mutter Theresa machen – mit Paris Hilton in der Hauptrolle!

Zum Glück ist Sir Winston nicht allzu oft zu sehen, daher fällt dieser Kritikpunkt nicht so ins Gewicht. So bleibt unterm Strich ein äußerst sehenswerter Historienfilm mit einem überragenden Colin Firth und ganz viel Gefühl ohne Duselei.


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