ICE fahren für Anfänger

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Es ist wieder soweit: Die Sommerferien und die damit verbundene Reisezeit haben begonnen! Eine Zeit, die eigentlich der Entspannung dienen sollte, für viele Reisende allerdings jedes Jahr im großen Urlaubsstress endet. Aus diesem Grund möchte ich euch heute ein paar Tipps und Grundregeln in Bezug auf Bahnreisen nahebringen, die euch und euren Mitreisenden das Leben erleichtern.

  1. Der Stress beginnt häufig schon beim Einsteigen. Viele Reisende kommen erst kurz vor der Abfahrt am Gleis an und springen dann noch hysterisch in den Zug hinein. Es ist allerdings zu empfehlen, mindestens 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges da zu sein. So kann man auf den Plänen den Standort seines Wagons in Erfahrung bringen und sich bereits vor Einfahrt des Zuges dorthin begeben. Wenn man jedoch in der letzten Sekunde einsteigt, muss man sich noch durch den halben Zug zu ihrem Wagon kämpfen. An einem Freitag z. B. ein Ding der Unmöglichkeit – da hilft dann auch kein Drängeln mehr.

    Wenn man jetzt in diesem völlig überfüllten Zug steht und nicht an seinen Sitzplatz kommt, empfiehlt es sich, folgende Aussagen zu vermeiden: „Ich habe 2,50 Euro für eine Sitzplatzreservierung gezahlt und muss jetzt stehen“ oder „Es sollten nur Tickets mit Sitzplätzen vergeben werden. Das ist ja schlimm hier.“ Die Pendler um einen herum warten nur auf diese Art Querulanten und werden kontern: „Ich habe 3.800 Euro für mein Ticket gezahlt und stehe hier fast jeden Tag“ oder „Das ist eine gute Idee! Aber dann könnten Sie nie wieder mit dem Zug fahren, da schon alle Sitzplätze für die BahnCard100-Inhaber reserviert wären.“

    Vielleicht denkt ihr jetzt, dass ich maßlos übertreibe, aber ich fahre täglich mit dem ICE und v. a. freitags kommt es immer wieder zu besagten Szenarien!

  2. Endlich habt ihr euren Platz erreicht. Doch wie könnte es anders sein: Dort sitzt schon jemand! Bevor man die Person von dem Platz vertreibt, sollte man noch einmal unauffällig die Wagon- und Sitzplatznummer vergleichen und schauen, ob das auch wirklich der eigene Platz ist. Denn es gibt nichts Nervigeres und Unangenehmeres, als wenn einem die Person auf dem Sitzplatz erklärt, dass man sich geirrt hat.

    Hierbei ist es hilfreich die Anzeigen genau anzuschauen, denn meist kann man dadurch schon abschätzen, ob man sich geirrt hat oder nicht. In einem Abteil z. B. sind sechs Plätze abgebildet: Das Männchen am Fenster hat den Fensterplatz, das Männchen daneben sitzt in der Mitte und das Männchen ganz außen (ohne Fenster) sitzt am Gang. Dann schaut man noch in welcher Richtung die Männchen sitzen und schon weiß man, welches der eigene Platz ist. Das hört sich jetzt super trivial an, aber Urlaubsreisende das machen täglich falsch.

    Zudem ist es hilfreich, sich die Informationen neben dem Männchen und der Sitzplatznummer anzuschauen. Denn daneben steht die Strecke, für die die Sitzplatzreservierung gilt. Wenn im ganzen Wagon keine Strecke aufgeführt ist oder überall „ggf. reserviert“ steht, stimmt das Anzeigesystem mal wieder nicht. Sollte allerdings nur an eurem Wunschplatz keine Strecke angezeigt sein oder diese nicht mit eurer Route übereinstimmen, dann habt ihr euch höchstwahrscheinlich geirrt und solltet noch einmal genau auf eurem Ticket nach der Nummer schauen.

    Sollte der Zug zur Abwechslung einmal schön frei sein, könnte euch in den Sinn kommen, die falsch sitzende Person auf eurem Platz nicht zu vertreiben. Ihr setzt euch auf einen anderen Platz – und das ist ein Fehler! Denn diese Geste ist nett gemeint, aber eure Reservierung ist weg!!! Kaum jemand weiß nämlich, dass Reservierungen nur in den ersten 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges gültig sind. Danach verschwindet die Aufschrift und man hat trotz Reservierungsbeleg keinen Anspruch mehr auf seinen Sitz. Das klingt jetzt unverschämt. Aber es hat durchaus einen Sinn: Reisende ohne Reservierung können sich dann nämlich auf den Platz setzen und der Gang ist nicht überfüllt.

  3. So eine Zugreise ist immer eine spannende Sache und v. a. in Reisegruppen besonders toll. Diese sollten allerdings daran denken, dass auch andere Mensch in diesem Zug sitzen. Diese könnten ein Problem damit haben, wenn sich einzelne Gruppenmitglieder durch den ganzen Wagon lauthals Dinge zurufen.

    Besonders achen sollte man auf seine Lautstärke in den ausgezeichneten „Ruhebereichen“. Viele denken leider: „Oh toll, da kann ich in Ruhe telefonieren“. Oh nein! Das sind Bereiche, in denen es leise zugehen sollte. Zuwiderhandlungen könnten v. a. in den frühen Morgenstunden zu Missgunst-Äußerungen der Mitfahrer führen. Besonders hervorzuheben sind dabei die dunklen Ruheabteile! In denen sollte man vor 9 Uhr noch nicht einmal flüstern und erst recht nicht das Licht anmachen! Denn diese besonderen Bereiche werden meist von Morgenmuffeln aufgesucht, die auf Störungen jeglicher Art alles andere als begeistert reagieren und auch schon mal Reisende aus dem Abteil werfen!

Das waren jetzt ein paar Grundregeln, die eigentlich nicht so schwer zu befolgen sind, die nächste Zugfahrt jedoch um Einiges angenehmer machen könnten. Die richtigen Insiderinfos (Wo muss man einsteigen, um immer einen Sitzplatz zu bekommen?) werde ich allerdings nicht verraten 😉