Autobahn-Tipp: Rechtsfahrgebot und Toleranz

Print Friendly

Auf Deutschlands Autobahnen herrscht Krieg: Große Karossen gegen kleine Hüpfer. Alte Schlafmützen gegen junge Raser. Adrenalin-Junkies gegen Familienväter. Schnell gegen langsam. Jeder will der Erste sein. Der eine fährt schnell, um dieses Ziel zu erreichen. Der andere bremst seine Gegner auf den linken Spuren aus. Wir könnten uns allen das Leben leichter machen, wenn wir nur zwei Grundsätze beachten würden: Das Rechtsfahrgebot und das Prinzip „Leben und leben lassen“!

Immer diese Raser! Sie sind schnell. Sie fahren dicht auf. Sie blinken links und gucken böse. Und sie sind immer die Schuldigen – zumindest in den Augen der anderen. Sie selbst sehen das selbstverständlich nicht so. Sie haben die Möglichkeit schnell zu fahren, also wollen sie sie nutzen. Die Bösen sind für sie die Cinquecentos und Corsas, die ihnen die linken Spuren versperren. Doch wer hat Recht?

In meinen Augen, sind beide Parteien nicht ganz unschuldig. Ich kann die kleinen Autos verstehen, die auch einmal an den LKWs vorbeikommen möchten. Und ich kann die großen Autos verstehen, die immer wieder abbremsen müssen, bloß weil ein kleines Auto nicht rechts fahren will. Gerade auf dreispurigen Autobahnen nervt auch mich dieses Verhalten besonders. Da zuckeln manche mit 110 Stundenkilometern auf der mittleren Spur – obwohl die rechte Spur komplett frei ist. Die haben da nichts zu suchen! Wenn mein kleiner 69-PS-Ka und ich an denen vorbei möchten, müssen wir in die ganz linke Spur. Und mal ehrlich: Dort haben wir nichts zu suchen! Das sieht auch der Maserati-Fahrer so, der sich mit Tempo 300 von hinten nähert. Eben war er noch nicht im Rückspiegel zu sehen, schwupps trennen seine Stoßstange und mein Heck nur noch 30 Zentimeter. Er zeigt mir den Finger. Und ich bin der Depp – weil der eine zu schnell und der andere zu weit links fährt. Super!
Die Schlafmütze in der mittleren Spur zeigt sich von dieser ganzen Aktion unberührt. Er hat schließlich alles richtig gemacht. Zumindest seiner Meinung nach…

Die blödeste Erklärung für diese Fahrweise habe ich einmal von einer Freundin gehört. Ich war Beifahrer und wies sie auf das deutsche Rechtsfahrgebot hin. Sie meinte daraufhin nur: „Ich fahre immer in der Mitte. Da habe ich wenigstens nach rechts und links Platz, wenn mir der Wagen ausbricht.“ Aha! Nach dieser Erklärung fühlte ich mich gleich viel sicherer.

Mein Tipp für heute lautet: Seid nett zueinander! Die kleinen, langsamen, sicherheitsbedachten Fahrer sollten immer so weit rechts fahren wie möglich. So haben wir es in der Fahrschule gelernt und so steht es in der Straßenverkehrsordnung. Wenn zwischen zwei Überholvorgängen mehr als 20 Sekunden liegen, muss man zwischendrin in die rechte Spur wechseln. So einfach ist das.
Und die großen, schnellen, risikofreudigen Fahrer sollten nicht gleich jedes Überholmanöver vor sich als persönliche Provokation verstehen. Überholen ist erlaubt – auch den kleineren Wagen. Und wenn man sieht, dass der Kleine gleich wieder rechts herüberzieht, muss man ihm auch keine Matschscheibe zeigen…

Comments are closed.