Mindestlohn für Journalisten?

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Ein interessanter Beitrag flatterte vorhin auf meinen Desktop. Der „Journalist“ berichtete gestern in seiner Online-Ausgabe, über eine Stellenausschreibung des Computer-Magazins PC-Welt. Dieses hatte via Rundmail Journalisten gesucht. An und für sich nichts Schlimmes. Aber das angebotene Honorar muss die Frage erlauben, warum jemand für diesen Job überhaupt eine Ausbildung nachweisen muss.

Die gesuchten Journalisten sollten für die Online-Ausgabe des Magazins arbeiten – genauer gesagt in der Nachrichtenredaktion. Bei einer Nachrichtenlänge zwischen 300 und 500 Zeichen hätten sie den „Spitzenlohn“ von 10 Euro pro News eingeheimst. Das empfohlene Honorar für diese Nachrichtenlänge beläuft sich auf 36 bis 60 Euro! Selbstverständlich zahlen das die wenigsten. Die gängige Bezahlung liegt aber immerhin bei 20 Euro.

Da fragt sich noch jemand, warum es immer mehr Schwachsinn zu lesen gibt!? Rechtschreibfehler, schlechte Recherche, Grammatik-Katastrophen, mieser Schreibstil. Kann man für 10 Euro tatsächlich Qualitätsjournalismus erwarten? Kann man davon ausgehen, dass ein GUTER Journalist für diesen Preis arbeitet? Nein, kann man nicht! Die Qualität einer Nachricht spielt keine Rolle mehr – allein auf die Masse kommt es an.

Bisher sind es nur wenige, die solche Hungerlöhne anbieten. Doch sie kommen zum Ziel. Verzweifelte Journalisten quer durch die Republik nehmen diese Aufträge an – schließlich müssen sie sich irgendwie über Wasser halten. Doch was, wenn diese Praxis Schule macht? Ein Überleben als freier Journalist würde immer schwieriger.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sah sich dazu genötigt, vor der Stellenanzeige der PC-Welt zu warnen. In der Pressemitteilung vom 17. Mai hieß es: „Mit Honoraren in dieser Größenordnung wird die Vergütung von Freien auf das Niveau von Hartz-IV-Empfängern gedrückt. Kein freier Journalist sollte seine Leistungen zu solchen Konditionen anbieten.“

Und selbstverständlich wurde gleich wieder der Ruf nach einem Mindestlohn laut – in diesem Fall Mindesthonorar. Ich persönlich halte diesen Schritt für übertrieben und hoffe auf die Einsicht der Branche. Alle jammern, dass sie keine Zeitungen verkaufen und ihnen die Werbekunden wegbrechen. Doch niemand fragt sich, woran das liegen könnte. Meine Vermutung: Die Leute haben den Einheitsbrei satt. Sie wollen gut recherchierte Inhalte. Sie wollen gut lesbare Texte. Dafür würden Sie bestimmt auch zahlen. Und die Journalisten könnten wieder anständige Arbeit leisten – zu einem anständigen Honorar.

Original-Beitrag des „Journalist“ vom 6. Juni 2011: Zu wenig Geld für eine Nachricht

Pressemitteilung des DJV vom 17. Mai 2011: DJV warnt vor Mini-Honoraren